Spielt der 1. FC Köln nun sogar in der Champions League?

Ganz zur Freude diverser Köln-Fans habe ich den Fußballclub aus der Millionenstadt am Rhein schon beim letzten Mal zum deutschen Meister gekürt. Jetzt sogar Championsleague? Nutze ich etwa den Namen des Vereines aus, um mir auf bösartige Art und Weise User für mein Blogg zu werben? Nicht in diesem Fall. Allerdings kann der FC Köln dafür noch sehr wenig, sondern viel mehr ein anderer Verein, dem trotz der sportlichen Qualifikation für die Königsklasse der Einzug in selbige verwehrt bleiben könnte. Die Rede ist von RB Leipzig.

Diese Vorstellung ist nicht so ganz abwegig, denn es könnte durchaus passieren, dass die arg merkwürdige Vergangenheit dieses Vereines ihr zum Opfer wird. Genauer gesagt diese inoffizielle Zweigstelle in Salzburg, die seit fast 10 Jahren in Österreich Serienmeister geworden ist und seitdem das Kunststück hin bekommen hat, noch jedes Mal in der Qualifikation zur selbigen zu scheitern – teilweise gegen Vereine aus Luxemburg. Tatsächlich widerspricht es gegen die Statuten der Uefa, dass zwei Vereine eines „Konzerns“ zeitgleich an der Championsleague teilnehmen dürfen. In diesem Falle qualifiziert sich nur der Verein, der innerhalb seiner Liga das bessere Ergebnis erzielt hat. Zu dumm, dass Salzburg in der deutlich schwächeren Österreichischen Liga Platz 1 belegt hat und Leipzig in der deutlich stärkeren Bundesliga „nur“ Platz 2. Somit ginge dieser Platz in die Alpen und nicht etwa nach Sachsen.

Ich vermute, dass ein solcher Ausschluss ein gewisses „Nachrücker“-Verhalten zur Folge haben würde. Deutschland verzichtet ja nicht einfach so auf einen Platz in der Championsleague. Der BVB und Hoffenheim wären entsprechend direkt qualifiziert, während der 5te Platz nun zur Championsleague-Quali befähigen würde. Und ja hups. Der gehört tatsächlich dem 1. FC Köln. In der Domstadt werden die Fans nun wahrscheinlich alle Daumen drücken, dass genau dies eintritt. Ähnlich werden sie es wohl in Freiburg sehen und vielleicht sogar in Bremen… vorausgesetzt, die Eintracht aus Frankfurt setzt sich im Pokal nicht gegen die „kalkulierte Erfolgstruppe“ aus Dortmund durch. (Nicht falsch verstehen, in der Partie bin ich ganz bestimmt für den BVB!)

Doch wie wahrscheinlich ist dieses Szenario? Von Seiten RBs hört man dahingehend, dass man dieser Frage sehr zuversichtlich entgegen sehen würde, ihre Juristen hätten die Begebenheiten entsprechend geprüft und alles wäre sauber. Auf der anderen Seite gibt es diesen Artikel bei https://www.11freunde.de/artikel/wie-red-bull-die-uefa-narrt, der die Missstände zwischen Leipzig und Salzburg recht gut aufzeigt.

Diesen kurz zusammen gefasst – erst seit einem Jahr versucht man bei RB es oberflächlich so aussehen zu lassen, als seien RB Leipzig und RB Salzburg zwei gänzlich unterschiedliche Vereine. Doch hinter der Fassade des „Brauseclubs“ sind entsprechende „Baumängel“ nicht zu übersehen. Beispiele gefällig?

Die Wappen von RB Leipzig und RB Salzburg

Beim Salzburger Club wurde Vorstandsvorsitzender Rudolf Theierl verabschiedet, welcher den Club seit 2015 offiziell völlig unabhängig vom Sponsor Red Bull führte. Der Mann ist zwar Prokurist bei Red Bull sowie einiger Tochterfirmen, aber das muss ja nicht stören. Doof nur, dass er bis 2014 im Vorstand von RB Leipzig saß. Juristisch vielleicht kein Problem, sieht aber natürlich doof aus. Ihm wurde vermutlich der Sportliche Erfolg der Leipziger zum Verhängnis, denn Red Bull ist 99 %iger Gesellschafter von RB Leipzig. Das ist für die Uefa soweit noch kein Problem, solange man nicht nachweisen kann, dass RB auch bei RB Salzburg drin steckt. Und genau das versucht die Marketingfirma Red Bull nun zu verdecken. Mit eigenartigen Methoden. Dass Theierls Nachfolger Harald Lürzer Besitzer diverser Hotels und Taxiunternehmen sowie Restaurants ist, sieht oberflächlich natürlich schon etwas besser aus. Dass dieser ausgiebige Business-Beziehungen zu Red Bull führt, ist aber vermutlich auch kein Zufall. Das gilt auch für die neuen RB Salzburgvorstände Franz Rauch (Abfüller für Red Bull) und Herbert Resch. (Rektor der privaten Salzburger Medizinuniversität – finanziert übrigens von … Red Bull)

Dann gibt es ein paar weitere sehr merkwürdig wirkende „Pannen.“ Beide Vereine scheinen dieselbe Datenbank für ihre EDV zu nutzen und können untereinander Spielerprofile aufrufen. Ebenso kann man innerhalb beider Vereine am Telefon Büros des anderen Vereins über Kurzwahl erreichen. Immerhin, wo die beiden Vereine sich 2014 noch gemeine Scoutsitzungen leistete, wurde mittlerweile wohl auf Skypekonferenzen umgestellt. Aber dass Red Bull-besitzer Matuschitz Finanzausgaben des Salzburger Clubs in der Ich-Form beantwortet ist dann doch wieder ähnlich merkwürdig wie die 20 Transfers von Spielern von Salzburg nach Leipzig in den vergangenen Jahren. Manche Spieler wurden sogar nach Salzburg gelockt mit der Aussicht, später nach Leipzig transferiert werden zu können.

Alles in allem wirkt es ein wenig so, als sei der Erfolg der Leipziger etwas ZU schnell gewesen und so war man in der kurzen Zeit gar nicht in der Lage, sich noch mehr von Salzburg zu trennen als bisher. Juristisch wird man aber bei Red Bull vermutlich ein wahres Meisterwerk geleistet haben, um sich offiziell nichts vorwerfen lassen zu können. Und es stimmt schon. Juristisch ist die gleiche Telefonnummer sicher kein Verbrechen. Es liegt nun an der Uefa. Die Frage „Haltet ihr uns eigentlich für doof?“ sollte diesen schon auf den Lippen liegen. Zu offensichtlich ist dieses gemauschel. Allein, die Entscheidung, die die Uefa da treffen muss, ist vermutlich eher weniger juristischen Ursprungs, noch viel weniger ethischer. Es wird eher darum gehen, ob man in der Uefa einen weiteren Big Player wie Red Bull in den eigenen Reihen haben will oder nicht. Und man kann rätseln, was der Uefa wohl lieber ist.

Call Center RB Leipzig

Es gibt da zugegeben noch ein paar andere Argumente neben der juristischen RB-Politur. Red Bull macht verdammt viel richtig. Mögen die finanziellen Aspekte auch höchst dubios erscheinen, kann man auf sportlicher Seite ihnen nichts vorwerfen. Sie haben ihren sportlichen Erfolg mit jungen Spielern gemacht oder mit Spielern, die anderswo aussortiert wurden. Klar, das Portemonaie sitzt bei denen locker, aber das heißt nichts, wie man beim HSV sieht, welcher einen identischen Etat hat. Und auch kann man ihnen nicht vorwerfen, sie würden mit ihren Transfers direkte Konkurrenten schädigen, so wie es bei den Bayern Jahrzehnt für Jahrjahrzehnt ist. Die haben bisher nicht mal einen Spieler, der vorher mal beim Nr.1-Talente-Aussauge-Club SC Freiburg gespielt hat. Wer kann das sonst schon von sich behaupten?

Und 20 Spieler aus Salzburg hin oder her, die kamen immer noch aus der Österreichischen Liga, dass die dafür die Qualität für ein Bundesligateam haben steht auf einem ganz anderen Blatt – zumal Salzburg ja bisher nicht mal gut genug für die Championsleague war. Leipzig hat ebenfalls eine sehr gut strukturierte Jugendabteilung und eine sehr zahlreiche, zufriedene Zuschauerschar, die nicht durch Ausschreitungen auf sich aufmerksam macht – was in Sachen ein kleines Kunststück ist. (Dresden? Lok Leipzig?) Der Verein ist so aufgestellt, dass man langfristig Erfolg haben kann.

Für die Uefa nun sicher keine leichte Aufgabe, da sie eigentlich nicht als Gewinner aus dieser Sache heraus gehen kann. Schmeißt sie RB auf Grund dieses Geklüngels wegen Zuwiderhandelns ihrer Statuten aus, wird man ihnen vorwerfen, nur die ausführende Hand der bereits bestehenden Vereine sein, die innerhalb ihres elitären Kreises von kalkulierbaren Erfolgsvereinen kein Interesse an ernstzunehmender Konkurrenz haben – in die sich Red Bull zweifelsohne entwickeln kann. Dass diese Marketingelite kaum ein Interesse an einem Erfolg RBs haben, lässt sich schon vermuten, wenn man z.B. einige Aussagen von BVB-Chef Adi Watzke in der jüngeren Vergangenheit als Grundlage nimmt. Wobei die sicher auch zusätzlich vor den Kopf gestoßen fühlen werden, dass RB mit dieser Mogelpackung so schnell Erfolg hatte, wo sie selbst doch weitaus mehr investieren mussten.

Hinzu kommt, dass Red Bull dieses geklüngel sicher nicht alleine betreibt. Das ist in jedem Verein so. Man schaue sich doch nur mal die Herkunft anderer Vereinschefs an. Bei Bayern sitzt z.B. ein Jörg Wacker im Vorstand, welcher direkt vom Wettanbieter Bwin zu den Bayern wechselte. In Bezug auf die steuerfahndungstechnisch bekannte Spielsucht des Aufsichtsratschefs Uli Hoeneß eine spannend trapsende Nachtigal. Dann Jan Christian Dreesen, kam aus dem Vorstand der Bayrischen Landesbank, im Aufsichtsrat sitzen Vorstände von Audi, Allianz Versicherungen, Telekom, die Uni Credit Bank und so namenhafte Personen wie Edmund Stoiber und Martin Winterkorn. Beim BVB z.B. findet man Namen wie Moneyman Peer Steinbrück, Deichmann-Direktor Björn Gulden, Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann oder Evonik-Chef Christian Kullmann. Die sitzen da nicht, weil sie den Verein so toll finden oder (außer Gulden vielleicht) ein ausgeprägtes Know-How vom Fußball haben. Sondern weil sie wissen, wie man Geld verdient und so eine AG in der Investment-Championsleague schlicht und ergreifend eine Gelddruckmaschine ist. Die sitzen da, weil es ein sehr kontrollierbares Spekulationsfeld ist. Denn wie wir ja schon beim letzten mal vernommen haben – Erfolg ist Kontrollierbar. Wo sonst bekommt man nur für die Teilnahme an einem Wettbewerb mal einen zweistelligen Millionenbetrag in die Kassen gespült? Da muss der Handwerker lange für Tische schreinern.

Geklüngel in Fußballvereinen

Dass sich dieses Klüngel teilweise bis in die fünfte Liga hinab geht und manche der Meinung sind, man könne sogar mit Vereinen wie Eintracht Trier durch Sponsoring irgendetwas erreichen entzieht sich letztendlich dann doch meinem Verständnis. Na gut, auch dort sind Vereinssponsoren letztendlich Firmen, die sich die Aufträge so unter der Hand zuschustern und sich bei jedem neuen Auswärtsspiel freuen, ein paar neue Firmen kennen zu lernen, mit denen man was klüngeln kann. Aber zurück zur Uefa. Dass sie bei einer Absage an RB sich also vorwerfen lassen müssen, ihre eigenen Statuten im Interesse anderer Vereine zu biegen, wird kaum in ihrem Interesse sein. Doch genau so wenig können Sie ein Interesse daran haben, das Modell RB durch eine Zusage salonfähig zu machen. Da draußen gibt es weitaus mehr große Investoren, die nur darauf warten, sich ein Modell wie RB zum Vorbild zu machen. Farming-Vereine? Vereine nebst Identität aufkaufen und nach eigenem Bild gestalten? Im American Football schon gang und gebe. Allein in den letzten zwei Jahren sind dort drei Vereine umgezogen oder haben ihren Umzug verkündet. (Rams, Raiders, Chargers). Die Uefa wird sicher kein Interesse daran haben, ihre Championsleague langfristig zu einem Wettbewerb der Franchise-Unternehmen zu machen, denn sie wissen um die Tradition, die die Zuschauer als Erwartung in den Wettbewerb mit sich tragen. Auf der einen Seite keinen planbaren Erfolg mehr möglich machen zu können, auf der anderen Seite die Zuschauer zu verlieren, die das Produkt für die Investoren überhaupt erst interessant macht, kann nicht wirklich im Interesse der Uefa sein.

Was macht die Uefa nun also am besten? Was wird sie vermutlich machen? Mein Tipp – sie wird sich ganz an die eigene Verfassung wenden und zähneknirschend Red Bull gewähren lassen. Nur um danach die eigenen Statuten klar zu verhärten, damit so etwas kein zweites Mal passiert. Von daher sollten sich also die Bremer, Freiburger und Kölner nun nicht zu viel Hoffnung machen. Und so ein Uefacupspiel in Kasachstan oder im Februar bei Zenit St. Petersburg kann doch auch ganz nett sein.

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