Pirat, Arschtreter, Frau.

Heute mal was Kleines aus dem Bereich „Nerdiges“. Ich bin im Netz auf eine süße, kleine Homepage gestoßen, die sich ausschließlich mit Piratinnen der Vergangenheit befasst. Die Seite www.annebonnypirate.com räumt mit der Legende auf, dass Piraten in der großen Zeit der Piraterie ja nur männliche, raubbeinige Halunken gewesen wären und erzählt so die Lebensgeschichten von acht Damen, die sich zu einem wahren Schrecken der Meere entwickelten.

Für die nächste Kostümparty muss also nicht mehr zwangsweise die Jack-Sparrow-Gewandung ausgepackt werden, nur um etwas Cajalstift auftragen zu dürfen. Weg mit den Papageien und den auf lange Dauer sicher Rachen schädigenden Arrrrr-lauten. Es wird Zeit, die Geschichten von Anne Bonny, Awilda, Charlotte de Berry, Ching Shih, Grace o’Malley, Jeanne de Clisson, Mary Read und Rachel Wall zu erzählen. Mögen sie für alle Piratenfreunde da draußen inspirierend sein. (Damit sind natürlich Filmpiraten gemeint, keine Somalischen Öltankerkaperer!)

Um Spaß an dieser kleinen Aufstellung zu haben, muss man der englischen Sprache mächtig sein. Und um einen kleinen Vorgeschmack auf die Geschichten und Legenden zu werfen, die sich hinter diesen Damen verstecken, will ich exemplarisch die Geschichte von Jeanne de Clisson kurz mal zusammen fassen.

Jeanne de Clisson

Bei der guten Jeanne Louise handelte es sich nämlich um eine Edeldame aus dem Hause Belleville. Diese war Anfang des 12ten Jahrhunderts auf König Philipp VI und das große Haus de Blois recht schlecht zu sprechen. Diese hatten ihren zweiten Ehemann als Hochverräter enthauptet und dessen Kopf über die Zinnen der Stadt Nantes gehangen. Jeanne entschloss sich daraufhin all ihre Ländereien zu verkaufen und in ein Schiff zu investieren, um zukünftig auf alle Mitglieder der verfeindeten Familien Jagd zu machen und so den Tod ihres Gemahls zu rächen. Dank der Mithilfe des englischen Königs Edward hatte sie bald sogar drei Schiffe, die sie schwarz anmalte und mit blutroten Segeln bespannte. Der Legende nach enthauptete „die bretonische Tigerin“, mancher Orts auch die „bretonische Löwin“ nun persönlich jeden französischen Edelmann, den sie gefangen nehmen konnte und ließ auch von der Mannschaft meist nur ein zwei Personen am Leben, damit diese dem französischen König berichten konnte.

Das Ganze soll sie auch noch gemacht haben, nachdem Philipp VI. längst verstorben war. Ganze 13 Jahre wilderte „la Tigresse bretonne“ an der französischen Küste, bis sie sich einfach zur Ruhe setzte. Kaum zu glauben, aber ihr Ende fand sie tatsächlich nicht etwa im Kampf, sondern sie heiratete einen Englischen Leutnant der Armee Edward III., kehrte nach Frankreich zurück und wohnte dort bis zu ihrem 59sten Geburtstag in Hennebont in der Bretagne, als wäre nie etwas geschehen. Ihr Sohn Olivier V. de Clisson sollte sogar eine große Karriere im Militär machen und zu einer der Schlüsselfiguren des hundertjährigen Krieges werden. Sicher nicht die Karriere, die man von einem Piratensohn hätte erwarten können, oder?

Neugierig geworden? Dann schaut doch mal bei annebonnypirate.com rein. Ein wenig Platz für Frauenpower solltet ihr doch noch frei haben, oder? 😉

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