Who is Who in der NFL – Episode 3: Die AFC South

Da ist es passiert. Wegen Hurricane Irma musste das Spiel der Tampa Bay Buccaneers gegen die Miami Dolphins in Woche 11 Verschoben werden, wo praktischerweise beide Teams gerade spielfrei hatten. Das hat den Verantwortlichen bei Pro 7 Maxx aber keine Sorgenfalten in die Stirn getrieben. Stattdessen kann man sich nun ansehen, wie die Oakland Raiders rund um Running Back Star Marshawn „Beast Mode“ Lynch ihr Glück bei den Tennesee Titans versuchen. Und wenn die Reise schon ins Nissan Stadium nach Nashville geht, dann kann meine Reise passend dazu auch in die AFC South gehen.

Teamname: Tennessee Titans
Farben: Navy-Blau, weiß, Rot, Silber
Stadt: Nashville, Tennessee
Spielort: Nissan Stadium (69.143 Plätze)
Erfolge: 1 x Conference Champions (1999), 9 x Division Champions

Seit 1997 hat auch die Countrymusik-Hauptstadt Nashville ihre Titanen. Davor war das Team noch als die Houston Oilers bekannt, eins der eher langfristig erfolglosen Vereinen der Liga. Große Erfolge feierten die Oilers nie, das Verhältnis der Bewohner Houstons zu ihren Oilers wurde aber aus einem anderen Grund schwer erschüttert. Mitte der 80er drohte der Besitzer Bud Adams schon damit, die Stadt zu verlassen, wenn man ihm kein neues Stadion baut. Bisher musste man das Stadion mit dem Baseballteam teilen und der Astrodome war mit 50.000 Zuschauern dem Besitzer bereits zu klein. Mit dieser erpresserischen Art erreichte Adams den Umbau um weitere 10.000 Plätze und einiger Viplogen. Nur um nach ablaufen des Pachtvertrages 10 Jahre später trotzdem nach Nashville umzuziehen. Die Zuschauer verweigerten danach dem Team die Unterstützung, Radiosender stellten Übertragungen und Berichte ein… es war geradezu gespenstig. Die Tennessee Oilers versuchten also so schnell wie möglich aus Houston zu verschwinden, nur wurde das Nissan Stadium nicht rechtzeitig fertig und so mussten die Oilers auch noch zwei Jahre in Memphis geparkt werden. Dort zeigte man allerdings noch weniger Interesse und vor gefühlten Geisterspielen entschied man sich schließlich, dem ganzen Brand ein Facelift zu geben. So wurden die Titans geboren.

Und direkt die erste ernstzunehmende Saison der Titans im Jahr 2000 führte sie gleich in den Superbowl. Gegen den dortigen Gegner, die St. Louis Rams kam es dann zu einer spannenden Partie und einem noch spannenderen Ende. Die Titans hatten im letzten Spielzug den Ball und waren quasi auf dem Weg zum siegbringenden Touchdown, als Kevin Dyson einen Pass von Quaterback Steve McNair nach vorne trug. Doch Verteidiger Mike Jones bekam Dyson doch noch gestoppt – etwas weniger als einen Meter vor der Endzone. Die Zeit lief ab und so trennten die Titans nur wenige Zentimeter von ihrem ersten Superbowl.

Da auch in den Folgejahren der Erfolg sich nicht einstellen wollte, entschied man sich letztendlich für einen radikalen Schnitt – und knabbert noch heute ein wenig daran. Seit 2008 sind die Titans nicht mehr Teil der Playoffs gewesen und vor allem die Abwehr war jahrelang mit „Jämmerlich“ noch nett umschrieben. Doch gerade in dieser Saison regt sich Hoffnung, dass seit langer Zeit die Titans endlich mal wieder eine richtig gute Saison spielen könnte. Die Leitung soll dabei Quarterback Marcus Mariota haben, welcher in seiner Zunft der Passgeber als großes Talent gilt. Runningback DeMarcus Murray hat in der letzten Saison 1200 Yards erlaufen und scheint diese Leistung wiederholen zu wollen. Tight End Delainie Walker hat ebenfalls drei Saisons in Folge die 800 Yard-Grenze überschritten und auch Wide Receiver Rishard Matthews in der Vorsaison erreichte fast die 1000 Yards Marke. Die Waffen zum Erfolg sind also geladen und sofern sich Mariota nicht wieder das Bein bricht, sollte man diese Titans auf dem Notizzettel haben.

Teamname: Jacksonville Jaguars
Farben: Schwarz, Türkis, Gold, Weiß
Stadt: Jacksonville, Florida
Spielort: EverBank Field (84.000 Plätze)
Erfolge: 2-Maliger Divisionsieger

Ja, die Jacksonville Jaguars wären auch gerne mal auf irgendeinem Notizzettel. Doch der große Wurf ist den Jaguars noch nie gelungen. Gemeinsam mit den Detroit Lions, den Cleveland Browns und den Houston Texans sind sie eins von vier Teams, dass den Superbowl noch nie erreicht hat. Doch die Jaguars sind als Team noch recht frisch, erst 1994 fand das Franchise den Weg in die NFL. Und dennoch könnte es sein, dass sie auch schon wieder bald weg sind. Seit 2011 ist der neue Besitzer ein Pakistanischer Multimilliardär namens Shahid Khan. Und spätestens seit ihm auch schon der englische Fußballclub FC Fulham gehört, flirtet der etwas extrovertiert wirkende Manager damit, auch die Jaguars nach London umziehen zu lassen. Richtig gelesen. London. England. Europa. Die meisten in der NFL sind von der Idee nicht so ganz begeistert, sie befürchten, dass zu den bisherigen Strapazen für ihre Spieler so nun sogar noch ein Jetlag hinzukommt. Aber wen stören schon Menschen, wenn man irgendwo Geld verdienen kann.

Als Stolz von Jacksonville kann man die Jaguars aber tatsächlich nicht bezeichnen. Seit 10 Jahren hat das Team keine Saison mehr mit mehr Siegen als Niederlagen, seit 5 Jahren schon wäre man in Florida ja schon damit zufrieden, wenn wenigstens mal mehr als 5 Siege heraus springen würden. Dieses Jahr soll es soweit sein… mal wieder. Shahid Khan hat viel Geld in die Hand genommen, um vor allem die Abwehr richtig auf Fordermann zu bringen. Dazu sahnten die Jax im Draft so richtig ab. Ihr neuer, vielversprechender Runningback ist Leonard Fournette. Schon in den Preseasonspielen hat er angedeutet, dass er ein ganz großer seiner Zunft werden könnte. Und falls nicht, hat er immer noch eine Laufmaschine wie Chris Ivory an seiner Seite. Der Grund, warum die Jaguars am Ende vermutlich doch wieder nur ne Gurkensaison spielen werden könnte zum einen eine nicht gerade überragende O-Line sein. Deren Aufgabe ist es, dem Quarterback so viel Zeit wie möglich zu verschaffen. Und da wären wir auch schon beim nächsten Problem. Genau dieser Quarterback ist Blake Bortles. Und er ist als Quarterback vornehm gesagt… nicht so gut. Insgesamt hat er in den letzten 3 Jahren 51 Interceptions geworfen und wurde 140 mal gesackt. Das sogenannte „Quaterback Rating lag im letzten Jahr bei 78,8. Das ist immer noch besser als sein Rating von vor zwei Jahren, aber auch immer noch weit entfernt von gut. In Jacksonville rieb man sich schon die Augen darüber, dass man es tatsächlich eine vierte Saison mit Blake Bortles versuchen will. Aber man darf ja nicht vergessen, dass die nächste Draftsaison ein paar höchst interessante Quaterbacks mit sich bringt. Wer weiß, vielleicht plant man in Jacksonville schon sehr umtriebig für die Saison 2018.

Teamname: Indianapolis Colts
Farben: Blau, Weiß
Stadt: Indianapolis, Indiana
Spielort: Lucas Oil Stadium (70.000 Plätze)
Erfolge: 2maliger Superbowlsieger (1970, 2006) 7-Facher Conference-Sieger, 16 Division-Titel.

Seit 1984 ist Indianapolis die Heimat der Colts. Der Traditionsverein wurde in einer Nacht- und Nebelaktion dorthin umgezogen, nachdem man zuvor 30 Jahre in Baltimore auf Punktejagd ging. Auch hier konnte man sich nicht auf eine gewünschte Stadionnutzung einigen. Irgendwie bezeichnend, dass das letzte Spiel der Colts in Baltimore ausgerechnet gegen die Houston Oilers ging. Auch im Fall der Colts wurde damals viel Porzellan zerschlagen. Doch anders als bei den Titans hatten die Colts seitdem durchaus öfter ihre Erfolge zu verzeichnen. Das lag vor allem an der Ära einer der besten Quarterbacks aller Zeiten. Peyton Manning. Mit ihm gewannen sie 2006 den Superbowl, von 13 Saisons war er in 14 Spielzeiten über 4000 Yards (in den beiden anderen immer noch 3700), er ist heute noch der Anführer in der Tabelle der meisten geworfenen Yards und der meisten Touchdownpässe. Auch andere Rekorde wie die meisten Touchdowns in einer Saison, meisten Yards Raumgewinn in einer Saison oder sieben Touchdowns in einem Spiel tragen seinen Namen.

2011 musste er wegen einer Operation am Nacken eine Saison komplett pausieren, was einem jungen, aber talentierten Quarterback die Chance gab, ihn dort zu verdrängen. So ist noch heute der Spielführer der Colts ein gewisser Andrew Luck. Und auch von ihm kann man immer großes erwarten… wenn er nicht gerade verletzt ist. Und das war Luck gerade in den letzten beiden Saisons häufiger. Auch in dieser Saison wird er das erste Spiel wohl wegen einer Verletzung passen müssen. Und damit fangen die Probleme bei den Colts dann auch schon an. Ihr Runningback Frank Gore ist inzwischen 34 Jahre alt. Wenngleich er in den letzten 11 Saisons neunmal mehr als 1000 Yards erlief, ist Gore einfach nicht mehr der Jüngste. Wide Receiver T.Y. Hilton ist sicher eine Waffe, aber wenn ein Spieler in einer Saison 1448 Yards erzielt und 6 Touchdowns erzielt, weiß der Gegner in der Regel danach auch, wo er seine Verteidiger hin stellt. Der Rest des Teams ist Zeichen dafür, dass auch die Colts sich in einer Umbruchphase befinden, so wurden auch viele Veteranen vorheriger Jahre vor dieser Saison entlassen. Es droht eine negative Saisonbilanz. Aber da sich im Draft die meisten Mannschaften um die dort zur Verfügung stehenden Quarterbacks prügeln wollen werden, ist es denkbar, dass die Colts sich dann in aller Ruhe mit einem Mann wie Saquon Barkley oder Derrius Guice verstärken wollen und damit in den Folgejahren auch wirklich erwähnenswert auf Titeljagd gehen könnten.

Teamname: Houston Texans
Farben: Blau, Rot, Weiß
Stadt: Houston, Texas
Spielort: NRG Stadium (71.500)
Erfolge: 4-maliger Divisionsieger

Wir begannen quasi in Houston, wir hören heute auch in Texas wieder auf. Ja, die Oilers mögen ihnen abhanden gekommen sein, aber Houston ohne Football wollte auch niemand. So gründete man die Texans und machte sie ab 2002 im Zuge einer Ligaaufstockung zu neuen Mitgliedern der NFL. Seitdem spielen die Texaner äußerst erfolgreich. Bereits 2011 erreichte das Team zum ersten mal die Playoffs, seitdem wurde drei weitere male der Division-Sieg erzielt. Definitiv sind die Texans ein aufstrebendes Team… wenn sie sich nicht selbst im Weg stehen. Bestes Beispiel ist ihr großer Star, J.J. Watt. Der Verteidiger ist der Schrecken jedes Quarterbacks, wurde in seinen ersten 5 Saisons gleich dreimal Verteidiger des Jahres. 2014 wurde er zum ersten Spieler, der zweimal in Folge in einer Saison 20 Sacks zu verzeichnen hatte. Ebenso hält er Vereinsintern den Rekord für die meisten erzwungenen Fumbles. Was J.J. Watt aber definitiv nicht kann, ist Böller zünden. Ein solcher explodierte bei einer Feier in seiner Hand, was ihn fast die Saison 2015 gekostet hätte. Selbst mit einer Hand erreichte er aber immer noch 17,5 Sacks und 3 Forced Fumbles. 2016 kam dann die große Rückenverletzung. Er konnte nur drei Spiele in der ganzen Saison spielen… und es langte dennoch zu Rang 35 in der Liste der besten 100 Spieler der Saison 2017.

Eine gute Abwehr hat Houston daher auf jeden Fall. J.J. richtet das schon. Und auch im Angriff haben sie mit DeAndre Hopkins einen äußerst talentierten Wide Receiver, welcher vor allem in der Saison 2015 mit 1521 Yards und 11 Touchdowns auf sich aufmerksam machte. Doch die Texans treffen eben auch mal schlechte Entscheidungen im Management. So haben sie in der letzten Saison Quarterback Brock Osweiler vom Superbowlchampion der Denver Broncos los geeist und mit einem Monstervertrag ausgestattet. Für vier Jahre erhielt Osweiler 72 Millionen Dollar. Und quasi mit dem ersten Wurf stellten die Texans dann fest… Brock Osweiler ist scheiße! Und nicht nur ein bisschen scheiße. Sondern richtig scheiße. Er war so scheiße, dass vermutlich nicht mal die Bears ihn für Jay Cutler eingetauscht hätten. In Zahlen ausgedrückt, er warf mehr Interceptions als Touchdowns, er packte nicht einmal 3000 Yards, dazu kamen 5 Fumbles und ein Ballverlust in 15 Spielen. Osweiler war so miserabel, dass sie ihn zum Ende der Saison an die Browns verkauften. Und damit die den Texanern Brock überhaupt schmackhaft machen konnten, haben sie noch mehrere Zweitrunden-Drafts mit dazugegeben. Die Browns haben Osweiler tatsächlich trotz einer dadurch fällig gewordenen Zahlung von 15 Mio Dollar noch vor dem ersten Spieltag entlassen. Und schon vorher keinen Hehl draus gemacht, dass ihnen eigentlich nur diese Draftpicks wichtig waren und dafür das Geld gedacht war. Osweiler spielt inzwischen wieder bei den Broncos, wo er für das NFL-Mindestgehalt zweiter oder dritter Quarterback und damit sicherer Bankwärmer sein darf.

Und in Texas haben sie dafür… Tom Savage. Würde man diese Quarterbackwahl in eine Allegorie packen, wäre das wohl wie, wenn man sich für 100.000 Euro einen Trabbi gekauft hätte, überrascht festgestellt hätte, dass der nichts taugt, ihn für 20 Euro verkauft hätte, nur um danach all seine Hoffnungen in einen Fiat Bravo zu stecken. Sie haben zwar beim diesjährigen Draft mit DeShawn Watson einen durchaus vielversprechenden Backup für Savage verpflichtet. Dass es letztendlich doch mit den Playoffs klappen könnte – oder andersrum gänzlich den Berg runter gehen wird – könnte an einem weiteren Faktor liegen – Hurrikan Harvey. Der hat jüngst in Houston schwerste Verwüstungen angerichtet. Bei den Texans war an ordentliches Training nicht zu denken und auch auf allen anderen Ebenen haben die Leute dort aktuell ganz andere Probleme als die aufkommende Footballsaison. Anderseits verbinden solche Naturkatastrophen eine Bevölkerung auch. So hat J.J. Watt z.B. inzwischen für die Flutopfer über 25 Mio Dollar gesammelt. Und schon einmal hat ein Hurrikan ein Team so zusammen wachsen lassen, dass sie am Ende den Superbowl gewannen. Die New Orelans Saints. Zwischen Sturm und Superbowl lagen allerdings 4 ganze Jahre. Es könnten also erstmal schwere Zeiten für die Texans werden.

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