Nach Spieltag 10 – NFL Saisonprognose Teil 3 (AFC South)

Und gleich weiter mit der AFC. Wir bleiben in der Richtung des Uhrzeigers und kommen so für Teil 3 bereits in der AFC South an, der aktuell vielleicht spannendsten Liga der AFC. Oder auch nicht.

Zumindest um den Divisiontitel gibt es aktuell ein Kopf- an Kopfrennen. Die Tennessee Titans sowie die Jacksonville Jaguars stehen aktuell mit sechs Siegen bei nur drei Niederlagen ganz oben. Dass die Tennessee Titans dabei eine gute Saison haben könnten, kam vielleicht nicht so überraschend. Das Potential des Teams wurde soweit richtig eingeschätzt, die Offensive ist jetzt nicht unbedingt der Bringer. Meistens erzielen sie ihre Punkte über den Lauf, DeMarco Murray hat bereits 433 Yards erlaufen und auch Derrick Henry kommt an diese Marke fast heran. Beide zusammen haben 7 Touchdown erlaufen, drei weitere erlief Quarterback Mariota selbst. Und diese 10 Touchdowns sind immer noch zwei mehr als alle Receiver zusammen. Das liegt allerdings auch am Wurfarm von Mariota, der sicher mehr kann als sein Rating von 83,1 und auch mit einer Touchdown/Interceptionrate von 7 zu 6 sicher nicht zufrieden sein kann. Was die Titans aber richtig gut drauf haben ist die Laufverteidigung. Dem Gegner lassen sie dort im Schnitt nur 91 Yards per Spiel zu, womit sie zu den 6 besten Teams der Liga gehören. Dennoch. Da auch ihre Passverteidigung im Schnitt unbedeutendes Mittelfeld darstellt, fragt man sich schon, wie da bitteschön ein Score von 6 Siegen gegenüber 3 Niederlagen zustande gekommen ist. Vor allem die Serie von nun schon vier gewonnenen Spielen in Folge erwecken den Eindruck, als dass da eigentlich viel mehr dahinter stecken müsste als das, was vor allem Mariotas Statistiken her gäben.

Die Antwort gibt der bisherige Schedule. Die letzten vier Gegner waren die Bengals, Baltimore, Cleveland und die Colts. Allesamt massiv in einer Krise befindlich. Die Titans hatten ein der Frühphase respektable Siege gegen Seattle und Jacksonville, aber seit der 57:14-Niederlage gegen Houston sind sie zumindest in jede Partie als Favorit gegangen. In den letzten sieben Spielen haben sie nun nur noch drei Heimspiele, davon eins gegen die Rams. Und schon am morgigen Donnerstagsspiel droht diese tolle 4-Siege-Serie zu enden, denn sie müssen ins Heinz Field nach Pittsburgh. Dennoch, Panik müssen die Titans vor dem Restprogramm nicht haben. Gegner wie die Colts, die Texans, Cardinals oder die 49ers sind sicher auf Augenhöhe und die Jaguars zuhause zu haben ist sicher auch ein Vorteil. Zudem sind die meisten anderen AFC-Teams so schlecht, dass auch der zweite Platz für die Playoffs ausreichen wird. Daher meine Prognose: 9-7. Das reicht locker für die Playoffs.

Langt es aber auch für die Division? Ihr ärgster Konkurrent ist Jacksonville. Und es ist etwas merkwürdig, das wirklich sagen zu können. In den vergangenen Saisons waren die Jaguars immer ziemlich gut darin, sich selbst im Weg zu stehen. Das Team mag etwas jünger sein im Vergleich zu den meisten anderen, aber bisher reichte es noch nie für die Playoffs. Das hatte Gründe. Doch dieses Jahr schienen die Jaguars eine echte Bedrohung in der AFC zu sein. Ihr Sturm ist der 6t-Beste der Liga, was vor allem an ihrem Laufspiel liegt. Da sind sie der Ligaprimus mit weitem Abstand, im Schnitt pro Spiel 163 Yards sind ganze 20 Yards mehr als die Nr. 2 im Laufspiel, die Dallas Cowbowys. Das gut funktionierende Laufspiel erklärt auch, warum die vor der Saison als große Schwachstelle ausgemachte Personalie Blake Bortles bisher noch nicht groß negativ aufgefallen ist. Ein Quarterback, der mehr laufen lässt als passt (in dem Fall auch statistisch) kann den Ball nicht zum Gegner werfen. Das gelang Bortles bisher dennoch schon 7 mal, sein Quarterbackrating von 81,8 ist bestenfalls mit So lala zu bezeichnen. Aber sie haben ihren Rookie Leonard Fournette. 629 Rushing Yards, 4,3 im Schnitt pro Versuch, 6 Touchdowns. Dazu weitere 149 Yards gefangen. In wohlgemerkt erst Sieben Spielen, da die Jags sich trotz dieser Quote nicht zu schade waren, Fournette wegen disziplinarischem Fehlverhalten zwei Spiele lang auf die Tribüne zu setzen. Diese Spiele wurden dennoch gewonnen, denn Chris Ivory und T.J. Yeldon wissen auch, wie man so einen Ball talentiert über den Platz trägt. Wenngleich diese Siege von der Defensive gewonnen wurde. Gegen die Colts gelang ihnen gar ein Sweep, gegen die Bengals wurden nur 7 Punkte zugelassen. Wir kommen zum nächsten Prunkstück der Jaguars.

Sie haben sie die drittbeste Abwehr der ganzen Liga, sie erlauben also auch nur 285 Yards im Schnitt pro Spiel. Auch das liegt vor allem an der Passverteidigung, die sie mit gerade mal 165,1 zugelassenen Yards anführen. Und dann sind da noch Leute wie Calais Campbell mit 11 Sacks, Yannick Ngakoue mit 6,5 Sacks, Dante Fowler Jr. mit 5,5… Sie sind aktuell das einzige Team, dass drei Spieler in den Top 25 der Quarterbackjäger hat. Die D-Line des Teams aus Florida sind eiskalte und willige Killer. Und das hat sich auch schon in der O-Line der meisten Gegner rum gesprochen. Man nennt sie schon Sacksonville. So gehören sie zu den wenigen Teams, die bisher sogar die Steelers besiegen konnten, ihre wenigen Niederlagen waren zudem ziemlich unnötig, sieht man von der Niederlage gegen die Rams ab, was zur Zeit einfach passieren kann. Aber daheim gegen Tenessee und bei den Jets… das sind Punkte, die ihnen fehlen. Aber auch hier kein Grund zur Panik. Ihr nächster Gegner sind die Browns, sie empfangen noch die Colts und Houston zuhause, dazu kommt ein Spiel gegen die 49ers. Und bei dieser Passverteidigung müssen Sie sich auch nicht vor den Cardinals verstecken. Meine Prognose 11-5. Sofern sie sich nicht wieder selbst im Wege stehen (Siehe Fournettes Disziplin), wird dies der Divisiontitel für sie.

Und nachdem wir nun zwei Teams mit einer 6-3 Statistik haben, kommen wir nun zum umgekehrten Fall, den Houston Texans, ihrer aktuellen 3-6-Statistik und dem über alle maßen traurigen Fall des Rookies Deshaun Watson. Nein, die Texaner haben es wirklich nicht leicht. Erst setzt ein Hurricane ihr Trainingsgelände nebst kompletter Innenstadt unter Wasser, dann verletzt sich ihr Star J.J. Watts und beklagt frühzeitig das Saisonaus. Mit Tom Savage als Quarterback sollte die Saison dennoch gestartet werden. Der spielte jedoch so unzufriedenstellen, dass er noch im ersten Spiel gebencht wurde und so ihr First-Round-Pick auf den Platz gelassen wurden. Und Watson lieferte, als gäbe es kein morgen. 19 Touchdowns gegenüber sicher ärgerlichen aber bei dieser Wucht verkraftbaren Interceptions brachten ihm ein Quaterbackrating von 103.0 ein. In wohlgemerkt nur 6 Spielen. Die Footballwelt war sich einig, hier war ein neuer Star geboren. Unter Watson gewannen sie drei dieser sechs Spiele, die Niederlagen gab es gegen die Patriots, Kansas und die Seahawks, sind also verkraftbar. Dabei war es gegen die Pats denkbar knapp, beim 36-33 fiel der entscheidende Touchdown nur wenige Sekunden vor Schluss. Auch gegen Kansas erzielte er 34 Punkte und auch das sagenhafte 41-38 in Seattle hätte dank seiner 402 geworfenen Yards mit 4 Touchdownpässen gewonnen werden könnten, wäre sein Gegenüber auf der Position, Russel Wilson nicht noch eine Spur krasser als dieser Rookie.

Und dann reißt er sich im Training das Kreuzband. Saisonaus.

Und in Houston zerplatzt der Traum von den Playoffs wie eine Seifenblase. Tom Savage kommt zurück aufs Feld und liefert Spiele in einer Qualität ab, die einer Schulhof-Kindertruppe nicht gerecht geworden wäre. Das Highlight setzt es gegen die Rams, wo er zwei Interceptions wirft, zweimal den Ball fumbelt, dreimal gesackt wird und mehrere male knapp an einer Interception vorbei schliddert. Zudem bringt er gerade einmal die Hälfte seiner Pässe an. Quarterbackrating 55.4. Ein unglaublich schlechtes Spiel. Und eben auch kein Einzelfall. Die Hoffnungen auf die Playoffs in Houston haben sie längst begraben. Drei Heimspiele haben sie noch, darunter eins gegen die Steelers. Auch die Reise nach Jacksonville wird man sicher nicht sehr motiviert antreten. Da man statistisch auch die Texans-Abwehr eher im unteren Mittelfeld antrifft, ist der einzige Trost vermutlich, dass man auch noch gegen die 49ers, die Colts oder Baltimore ran muss, wo der ein oder andere Sieg nun zumindest nicht ausgeschlossen ist. Aber ja, für Houston wird das eine Saison zum vergessen. Meine Prognose: 6-10.

Wenn wir schon bei Verletzungssorgen sind, sind wir bei den Indianapolis Colts genau richtig. Deren Starquarterback heißt seit vielen Jahren Andrew Luck. Ein einstiger Nr. 1 Pick in der Draft und seitdem ziemlich häufig verletzt. In dieser Saison hat Luck auch noch kein Spiel bestreiten können und wird es auch nicht. Rückenprobleme. Man munkelt sogar, dass das Karriereende bereits bevor stehen könnte. Die Colts (Übrigens nicht benannt nach Revolvern, sondern das, was wir in Deutschland Fohlen nennen würden). Als Ersatz haben sie den dritten Quarterback der Patriots verpflichtet. Und so schlecht schlägt sich Jacoby Brissett auch nicht. Beim 20:14-Sieg gegen die Texans zauberte er ein Quarterbackrating von 122,6 aufs Parkett, 9 Touchdowns bei 5 Interceptions machen ein Quarterback Rating von 86.7. Das Problem ist bei den Colts eher, dass der Rest einfach miserabel ist. Im Grunde gibt es da nur zwei Lichtblicke. Running Back Frank Gore hat inzwischen 509 Yards erlaufen, was im Schnitt pro Lauf 3,5 Yards sind. Der alte Mann (34 Jahre alt) macht das also eigentlich ganz gut. Und Wide Receiver TY. Hilton hat auch in dieser Saison schon 725 Yards erlaufen und macht sich so an, die fünfte Saison in Folge über 1000 Yards zu erlaufen. Siege kommen dabei aber dennoch nicht heraus. Die Colts haben ihre Bye-Week noch vor sich, daher schon 10 Spiele. Davon gingen Sieben verloren. Klar, wenn dein Angriff nur die Nr. 27 der Liga ist, deine Abwehr sogar viertletzter, dann nutzt es reichlich wenig, wenn zwei drei Spieler mal einen guten Moment haben. Vereinzelt mag man damit ein Spiel gewinnen. Aber welchen Anspruch die Colts vor der Saison auch immer gehabt haben mögen, ein 3-7 kann nicht die Erfüllung sein. Immerhin, das Restprogramm ist keine Unmöglichkeit, um zumindest etwas versöhnlich die Saison zu beenden. Gegen die Titans, Bills, Broncos, Baltimore oder Houston kann was gehen. Aber von den Playoffs braucht bei den Colts keiner zu reden. Meine Prognose: 6-10

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