Nach Spieltag 10 – NFL Saisonprognose Teil 5 (NFC North)

Die Kompassnadel ist wieder im Norden angekommen. Zeit für die NFC. Die Liga, in der die Playoff-frage tatsächlich deutlich spannender ist, weil es da deutlich mehr Teams gibt, die auch mal Spiele gewinnen und auch Wildcard-Games mal einen ernstzunehmenden Gegner enthalten können und nicht nur irgend eine Comedytruppe.

Und da dann gleich mal mit den Minnesota Vikings anzufangen ist ein guter Start. Denn dieses Team ist scheinbar auf einer Mission. Der Mission, den Superbowl im eigenen Stadion auszutragen. Kurz, es sind die Vikings, allein das reicht normalerweise aus um zu wissen, dass es nicht gelingen wird. Aber die bisherige Saison läuft mit 7 Siegen und nur 2 Niederlagen bisher so richtig gut. Und das obwohl ihr Starting Quarterback Sam Bradford verletzt ist und ihr Franchise-Quarterback Teddy Bridgewater die Verletzung des letzten Jahres auch immer noch nicht auskuriert hat. Doch Coach Mike Zimmer scheint dahingehend ein gutes Händchen zu haben. Seit Spieltag Zwei leitet Case Keenum die Geschicke der Vikings. Und so gab es nun schon Fünf Siege in Folge. Was zugegeben nicht in jedem Spiel an Keenum liegt. Er haut zwar ab und an Quarterback-Ratings zwischen 110 und 120 raus, im dritten Spiel gegen Tampa sogar eine 142.1, aber es gibt auch Spiele wie gegen Baltimore, wo nicht viel zusammen läuft. Gewonnen wird da trotzdem, was am in Minnesota erfahrungsgemäß stets guten Running Play liegt.

Und selbst da haben die Vikings Rückschläge ziemlich gut verdaut. First Pick Dalvin Cook z.B. erlief in drei Spielen 354 Rushing Yards, sein Schnitt lag bei unglaublichen 4,8 Yards. Doch dann kam eine Verletzung und das Saisonaus. Who Cares haben sich die Vikings gedacht und die Läufe einfach Jerick McKinnon übernehmen lassen, der seitdem auch schon 319 Yards erlaufen hat und ebenfalls 4 Yards pro Spielzug macht. Dazu kommt eine Leistungsexplosion von Adam Thielen, der mit 793 Yards die meisten Yards für sein Team erfangen hat und die 5 Touchdowns von Stefon Diggs, welcher ebenfalls 500 Yards auf dem Scoreboard hat. Wenn man all das hört, verwundert es nicht, dass die Vikings den 9t-besten Angriff der NFL hat. Dazu kommt auch noch die 5t-deste Defensive. Vor allem die Laufverteidigung der Vikings gehört mit gerade mal 81 zugelassenen Yards zu den Top 3 der Liga. Und damit es nachher in den Playoffs keine böse Überraschung gibt, haben sie auch Kicker Blair Walsh inzwischen nach Seattle getradet, wo er seitdem das tut, was er am besten kann. Fieldgoals verschießen. Alles in allem also wirklich Statistiken, die jedem Gegner Angst und Bange werden lassen könnten. Irgendwie wundert es da schon, dass sie trotzdem eine Quarterback-Debatte starten. Vielleicht aber auch, weil sie wissen, dass ihr Restprogramm wirklich weh tut. Bisher hießen ihre Gegner Redskins, Browns, Baltimore, ein Rodgers-loses Green Bay oder Tampa Bay. Die nächsten Gegner aber sind nun die Rams, dann geht es Auswärts erst nach Detroit, dann Atlanta, dann Carolina, bevor wieder ein paar Fumpen das Restprogramm darstellen. Schon in der letzten Saison starteten die Vikings 5:0, um dann regelrecht einzugehen. Wirklich ausschließen kann man das vermutlich auch in dieser Saison nicht. Aber wenn man 7:2 in die Saison startet, kann nicht alles schlecht sein. Meine Prognose daher: 11-5

Klingt nach dem Divisionsieg und vermutlich gibt es derzeit nur einen Club, der die Vikings da noch einfangen könnten… was sie nicht tun werden. Die Rede ist von den Detroit Lions. Einer der Vereine, die einen Superbowl seit ihrer Entstehung immer nur aus dem Fernsehen kennen. Die Lions stehen aktuell mit 5 Siegen und 4 Niederlagen recht solide da. Das liegt vor allem natürlich an Mr. Fourth Quarter. Mit Matthew Stafford ist die Offensive der Lions wie in der Vorsaison bockstark sobald der Ball durch die Luft geht. Sie sind das 8t-beste Passing-Team. Allerdings auch das viertschlechteste Running-Team. Der Gegner kann sich also früh drauf einstellen, dass sie vor einem Spiel gegen die Lions vor allem ihre Pass-Protection trainieren. Wenngleich sie dann immer noch das Problem haben, dass Stafford mit der Pille macht, was er will. 17 Touchdowns bei nur 5 Interceptions, nach 9 Spielen ein Quarterback-Rating von 96,3. In der Saison hatte er bereits fünf mal ein Quarterback-Rating über 100. Das sind grandiose Werte. Nur wie es eben so ist bei den Lions und Stafford. Das bemerkt nur meistens keiner. Seit einigen Saisons schon laufen die Lions völlig unter dem Radar der meisten Leute. Und diese vier Niederlagen setzte es gegen die Steelers, bei den Saints, gegen Carolina und Atlanta. Also durchaus gegen bessere Teams ihrer Zunft. Während also alle anderen nur auf die Vikings gucken, ist man eigentlich gut beraten, die Augen auf die Lions zu richten. Denn das Restprogramm kennt eigentlich nur noch die Vikings selbst als Favorisierteres Team. Sonst… Chicago, Baltimore, Tampa Bay, nochmal Chicago, die Bengals und dann zuhause gegen Green Bay. Das ist in großen Teilen machbar. Daher meine Prognose: 10-6. Die NFC North wird bis zum Ende spannend bleiben.

Sollte man dann nicht eigentlich auch die Packers hervor heben? Sie sind ja der eigentliche Favorit der Liga. Waren sie auch, bis zum sechsten Spieltag. Zuvor standen sie noch mit 4-1 ordentlich da, filetierten unter anderem Seattle und Dallas. Dann brach sich Aaron Rodgers gegen die Vikings das Schlüsselbein und fällt wohl bis kurz vor Ende der Saison aus. (Wenngleich er tatsächlich das Training schon wieder begonnen hat, der alte Mann scheint zumindest ein gutes Heilfleisch zu haben.) Wie auch immer, seitdem ging es bergab. Niederlage gegen die Vikings, Niederlage gegen die Saints, Niederlage daheim gegen Detroit… immerhin gegen die Bears hat es noch gereicht, aber Brett Hundley ist kein Aaron Rodgers. Wo Rodgers ein Quarterback-Rating von durchschnittlich 103.2 erzielte, packt Bundley mit den selben Leuten nur ein Rating von 69,1. Natürlich, er wird mit jedem Spiel besser, da er auch in jedem Spiel mehr Training hat. Und gegen Chicago zeigte er mit einem Rating von 110.8 auch schon ein ziemlich gutes Spiel.

Aber dann sind da auch noch die anderen Nebengeräusche. So wurde am Anfang der Saison Superbowl-Held Martellus Bennett von den Patriots verpflichtet. Irgendetwas muss zwischen den Packers und dem Star-Tightend allerdings vorgefallen sein, denn erst stellten die Packs ihn wegen einer angeblich schweren Schulterverletzung auf die Verletztenbank und feuerten ihn danach überraschend mit der Begründung, er hätte seinen Krankheitszustand verschwiegen. Allgemein wird vermutet, dass die Packers nun sogar versuchen werden, das gezahlte Gehalt von 8 Millionen Dollar zurück zu fordern. Der Tightend hatte zuvor erklärt, nach dieser Saison seine Karriere zu beenden, obwohl er bei den Packers einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben hatte. Bennett selbst beschwerte sich daraufhin, die Packers hätten ihn gezwungen zu spielen, obwohl er eigentlich Zeit für die Behandlung seiner Kaputten Schulter benötigt hätte. Einen Tag später unterschreibt Bennett einen Vertrag bei seinem alten Arbeitgeber, den Patriots und ist nicht nur Glücklich „zuhause“ zu sein, sondern ist auch umgehend verletzungsfrei und läuft für die Pats gegen Denver 38 Yards. Wann immer man derweil einen Packers-Spieler auf Bennett anspricht, fangen die nur an zu kichern.

So ist die Personalie Bennett das alles beherrschende Thema, wo es eigentlich das sportliche sein sollte. Auf die Packers warten jetzt noch Gegner wie die Steelers, Carolina, die Vikings sowie eine Reise nach Detroit. Zwar geht es auch noch gegen die Browns, aber alles in allem gibt der verbleibende Schedule nicht unbedingt Grund zur Hoffnung, dass es in der Saison was mit den Playoffs wird. Ja, wären sie Mitglied der AFC… so aber vermute ich, dass es am Ende heißen wird: 8-8

Und so kommen wir zu einem Team, dass mit all dem nichts zu tun hat. Den Chicago Bears. Mit drei Siegen und sechs Niederlagen ist da schon länger klar, wo auch in dieser Saison die Reise hin geht. Die Offensive ist aktuell die viert schlechteste der Liga und hat es bisher gerade mal auf 291 Yards per Spiel gebracht. Vor allem ihr Laufspiel ist quasi nicht existent. 1701 Yards in 9 Spielen sind ein schlechter Witz. Zum Vergleich, bei den Patriots sind es 2844 Yards. Ihr Lauf hingegen gehört zu den zehn besten der Liga. Jordan Howard liefert aktuell ordentlich ab, hat schon 716 yards auf der hohen Kante und vier Touchdowns erzielt. Aber wenn man dann wiederum betrachtet, dass ihr erfolgreichster Fänger Kendall Wright mit gerade mal 305 Yards ist, dann ahnt man schon, dass Bears-Fans aktuell wenig zu lachen haben. Aber immerhin haben sie noch eine knallharte Defensive, die aktuell Nr. 9 im Ranking der NFL ist. Es gibt also wenigstens auf die Umme, wenn es schon keine Punkte zu bejubeln gibt. Was vor allem an der Passverteidigung liegt.

Dennoch werden bei den Bears Erinnerungen an den Draft wach. Sie hätten einen Deshaun Watson haben können. Doch sie haben sich teuer hoch getradet, um Mitch Trubisky zu verpflichten. Der Anfang lief noch gut. Die ersten Spiele ließen sie Mike Glennon auflaufen, der das Maximum aus sich raus holte, die erwarteten 5 Interceptions bei nur 4 Touchdowns warf und auch mit einem durchschnittlichen Quarterback Rating von 76.9 alles dafür tat, um Trubisky wie einen Heilsbringer erscheinen zu lassen. Zu dumm, dass man derweil eine so miserable O-Line hat, dass auch Trubisky gar nicht dazu kommt zu liefern. Die Interceptionrate mag runter gegangen sein, aber in Fünf spielen nur 5 Touchdowns? Dazu fürchterliche Spiele gegen die Vikings und die Saints, gerade gegen die Saints lag sein Quarterbackrating nur bei 46,9. Und auch im Schnitt ist er bisher noch nicht bei Glennon angekommen. Doch es ist eine andere Statistik, die verrät, was bei den Bears schief läuft. Die Quarterback Pressure. In Fünf spielen wurde er schon 16 mal gesackt. Erst im jüngsten Spiel gegen Green Bay erreichte er zum ersten mal in einem spiel mehr als 164 Yards. (Da aber immerhin 297) Es gab auch gleich mal ein ganzes drittel mehr Passversuche als noch in den Spielen zuvor. Aber jetzt kommt es noch zweimal zu Duell gegen Detroit, es geht ins Lincoln Financial Field nach Philly und auch Minnesota steht noch einmal auf der Speisekarte. Anderseits, spiele gegen die 49ers, Browns und Bengals werden Trubisky sicher auch die Gelegenheit geben, hier und da ein wenig zu glänzen. Beziehungsweise seinen Mitspielern die Chance geben, sich an ihren neuen Quarterback zu gewöhnen. Meine Prognose: Am Ende heißt es 6-10.

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