Eurovision Fahrplan der Vorentscheide.

Während für mich die Vorbereitungen des Events “Eurosing” in vollen Zügen läuft (und unser Team brauchte dazu weiterhin noch dringend Unterstützung) , haben wir für die nationalen Qualifier des Eurovision Song Contestes noch ein wenig Zeit, dennoch wirft dieser Event bereits seine Schatten voraus. So hat das deutsche Fernsehen die sechs Teilnehmer für den deutschen Vorentscheid bereits verkündet und auch andernorts gibt es immer wieder Neuigkeiten.

Das wichtigste dabei vorneweg. Der letztjährige Sieger Salvador Sobral hat inzwischen das Krankenhaus wieder verlassen dürfen, nachdem er ja vor kurzem eine Herztransplantation hinter sich gebracht hat. Er scheint also aus dem gröbsten raus zu sein und darf jetzt erstmal noch eine Weile Weiter leben. Os parabens, Salvador. Ob er für die Show schon wieder vor eine Kamera treten darf, bleibt aber vermutlich zu bezweifeln. Dafür hat man dort die Moderatoren des ESC 2018 in Lissabon bekannt gegeben. Während in der Ukraine das ganze noch von drei Männern moderiert wurde, schleppt man dort nun vier Frauen auf die Bühne. Filomena Cautela, Sílvia Alberto, Daniela Ruah und Catarina Furtado führen durch den Abend. Catarina Furtado ist übrigens nicht mit Sängerin Nelly Furtado verwandt, genau genommen ist dieser heiße Feger überraschenderweise bereits Mitte 40 und ist in Portugal etwa so beliebt wie Schulferien, scheint auch eher zu den Interlektuellen des Landes zu gehören. Filomena Cautela ist derweil als Moderatorin des Festival da Cancao ebenso Pflicht wie Silvia Alberto, die nicht nur den Disneyclub moderierte, sondern eben auch eben jenes Festival. Und Daniela Ruah kennen manche wohl besser als „Kensi Blye“ aus „Navy CIS L.A.“ Quasi Portugals aktuell größter TV-Star. Mal sehen, ob sie damit nun etwas „Investigation crime“-Humor in den Event bringen. Ist zu hoffen, denn zumindest das Festival de Cancao ist doch gerne mal etwas Bider. Bei Daniela lohnt auf jeden Fall ein Blick in ihre Augen. Was vor allem an ihrem „Nävus Ota“ liegt, welches ein Auge dunkler erscheinen lässt als das andere.

Die vielen Nachrichten anderer Nationen will ich als Gelegenheitsblogger nun gar nicht aufgreifen, gebe hier aber schon mal den Fahrplan der offiziellen Qualifikations-wettbewerbe durch. Wenige Länder haben ihren Vorentscheid noch nicht terminiert (z.B. Serbien) oder bestimmen ihren Kandidaten ohne eine Vorentscheidsshow, aber im Kalender sollte man folgende Daten schon mal feste vermerken.

Frankreich          27. Jan 18           Destination Eurovision 2018
Tschechien        29. Jan 18           Eurovision Song CZ 2018
Spanien               29. Jan 18           Operacion Triunfo 2018
Malta                    03. Feb 18          Malta Eurovision Song Contest 2018
Schweiz              04. Feb 18          ESC 2018 – Entscheidungsshow
UK                          07. Feb 18          Eurovision 2018: You decide
Dänemark          10. Feb 18           Dansk Melodi Grand Prix 2018
Italien                   10. Feb 18           San Remo Festival
Weißrussland   16. Feb 18           Eurofest 2018
Montenegro      17. Feb 18           Montevizija 2018
Deutschland     22. Feb 18           Unser Lied für Lissabon
Moldawien        24. Feb 18           O Melodie Pentru Europa 2018
Ukraine               24. Feb 18           Vidbir 2018
Ungarn                24. Feb 18           A Dal 2018
Lettland              24. Feb 18           Supernova 2018
Slowenien          24. Feb 18           Evrovizijska Melodija (EMA) 2018
Rumänien          25. Feb 18            Selecția Națională 2018
San Marino        27. Feb 18            1 in 360
Estland                03. Mrz 18           Eesti Laul 2018
Finnland             03. Mrz 18            Uuden Musiikin Kilpailu (UMK) 2018
Island                   03. Mrz 18            Söngvakeppnin 2018
Portugal             04. Mrz 18            Festival da Cancao 2018
Litauen                10. Mrz 18            Eurovizijos 2018
Schweden         10. Mrz 18             Melodifestivalen 2018
Norwegen         10. Mrz 18             Melodi Grand Prix 2018

Und wem das nicht genügend Termine sind, am Donnerstag, 03. Mai 2018 findet auch noch der ASIA Song Contest statt. Auch wenn man noch nicht genau weiß, wo, batteln sich hier Australien, Vanuatu, China, Neuseeland, Singapur, Südkorea, Japan, Hongkong, die Salomonen und Usbekistan. Da der Event vermutlich früh morgens stattfindet, wird es aber schon schwierig, sich den live anzusehen.

Kommen wir daher also zurück nach Deutschland, wo am Donnerstag, dem 22. Februar im Studio Berlin Adlershof der Vorentscheid für den 12. Mai 2018 ablaufen wird. Und das aller wichtigste voran: OHNE BARBARA SCHÖNEBERGER!!! ENDLICH NÜCHTERNE MODERATOREN! Und eine Chance auf anderen Humor … hoffentlich, denn moderiert wird das Ganze von Elton. Ja… der Elton von Schlag den Raab oder „wer weiß denn sowas“. Die Show teilt er sich dabei mit Linda Zervakis, der Tagesschausprecherin.

Beim Event selbst dürfen nun 6 Teilnehmer ihr Glück versuchen, welche zuvor aus zwanzig Personen der engeren Wahl ausgesucht wurden. Natürlich hatte das schon im Vorfeld erwähnte ESC-Panel schon zahlreiche Teilnehmer ausgesiebt, aber wenn man nun betrachtet, dass unter den besten 20 Leuten kaum bekannte Leute dabei waren außer vielleicht La Brass Banda oder die deutsche Synchronstimme von Lara Croft, dann kratzt man sich da vielleicht schon ein wenig den Kopf. Einigermaßen etablierte Bands scheinen den ESC weiterhin zu meiden wie ein Kind das Feuer. Und dennoch gibt es natürlich auch zwei Kandidaten, die von ihren Allmächtigen Plattenlables irgendwie rein gedrückt wurden und dann es aber auch unter die besten sechs gepackt haben. Die Rede ist von den beiden Voice of Germany Gewinnern Ivy Quainoo und Natia Todua.

Allerdings weiß man ja auch nicht, welche Bands und Interpreten auf dem Weg zur Top 20 bereits aussortiert wurden. Dass allerdings die Bierzeltjodler von Voxxclub ihren Weg in die Top 6 gefunden haben, lässt vermuten, dass es da vielleicht wirklich nichts besseres gab. Ich meine… ernsthaft? Eine Retorten-Volksmusikband, die sich 2012 gegründet hat und nur zwei Jahre Später den Echo in Volkstümliche Musik gewonnen hat? Eine Band, der wir das Lied „Ei Ei Ei, die Goass ist weg“ verdanken?

Was soll der scheiß? Hat man dieses Europanel so lange mit schlechter Musik und hochprozentigem gefüttert, dass sie nachher im Delirium so einer Peinlichkeit den Zuschlag gaben? Ist DAS der Versuch, Deutschland nach gefühlten drei letzten Plätzen in Folge wieder irgendein Maß an Talent zurück zu geben? Ich kann mir einfach nur ungläubig die Augen reiben. Vielleicht gings da ja doch nur darum, die Show am 22sten nicht ZU bieder zu gestalten und es gab einfach zwei Kategorien. Wählt für „Musik“ und „Fremdschäm-Auftritte für Lästermäuler“

Zum Glück ist Voxxclub aber der einzige Ausreißer dieser Form. Und gerade die beiden Voice of Germanysieger haben durchaus was auf dem Kasten. Natürlich, Casting-showsieger haben in Deutschland keinen guten Ruf. Immer noch werden sie als „anrüchig“ betrachtet, was wohl größtenteils am ersten großen deutschen Castingformat „Deutschland sucht den Superstar“ und dessen höchst niedrigen Niveaustandards liegt. Und auch bei den Voice-Shows merkt man mehr und mehr, dass nicht etwa die Musik im Vordergrund steht, sondern die Vermarktung von Produkten und den Musikern im Stuhl. So sehr die Voicegewinner also wirklich was drauf haben, um so mehr sieht man ihr Talent als Muster ohne Wert. Und dass wir mit eben solch einer Voice-Siegerin vor zwei Jahren mit Jamie Lee böse auf die Finger gefallen sind, macht es für diese nicht einfacher.

Aber – die beiden Teilnehmer am Vorentscheid sind dennoch ziemlich talentiert und auf ihre Art und Weise sehr charismatisch und „bemerkbar“. Da wäre zum Beispiel Natia Todua. Der Name verrät schon, dass sie aus Georgien kommt. Im August 2016 kam die heute 21-jährige als Au-Pair-Mädchen nach Deutschland und lernte in schnellster Zeit ein ziemlich gutes Deutsch. Sie kommt aus der Ecke Jazz und Blues und hat als solche mit ihrer Stimme auch schon ihr Glück bei X-Faktor Georgien und Ukraine zum Besten gegeben. Beachtenswert ist dabei, wie schnell sie lernt. Denn sie singt tatsächlich erst seit vier Jahren. Und das Ergebnis klingt dann gerne mal so.

Was für eine interessante Stimme. Zudem hat sie „den Look“. Wenn man ihr einen richtigen Song gibt, kann ich mir da einen Platz besser als 20 durchaus vorstellen.

Und das gilt auch für Ivy Quainoo. Die hat die erste Staffel von Voice of Germany gewonnen, als es noch viel mehr um Talent ging. Damals spielten die Radiostationen ihren Song „Do you like, what you see“ auf und ab. Und das mit gutem Recht. Um die gebürtige Ghanaerin ist seitdem allerdings doch etwas ruhig geworden. Wie das ebenso im Popbusiness ist, drei Echos zu gewinnen heißt nichts. Wohl auch das ist ein Grund, warum niemand in Deutschland etwas auf Castinggewinner gibt. Nur selten haben diese eben die Chance, auf sich aufmerksam zu machen. Dabei bringt auch Ivy mit ihrer souligen Stimme und ihrem hohen Charisma alles mit sich. Sie wird allerdings sehr von dem Song abhängig sein, den sie für den Vorentscheid bekommt. Bestes Beispiel ist da wohl ihre aktuelle Single My own Terms. Stimme, Ausstrahlung… alles top. Aber mit so einem Song könnte man wohl erneut Platz 25 buchen.

Und auch dass auf ihrem YOutubekanal zuvor zwei Jahre lang nichts mehr gepostet wurde, spricht ein wenig dafür, dass auch für Ivy selbst in den letzten Jahren was anderes als Musik wohl vielleicht wichtiger war. Haben wir denn gar keine Musiker mit freiem Willen da?

Naja… vielleicht. Da sind wir nämlich schon bei den unbekannten Künstlern, die quasi nur durch „Talent“ die Zuschauer auf ihre Seite ziehen können. Tatsächlich scheinen alle drei das aber mit zu bringen. Hatte man zum Beispiel im letzten Jahr meist sehr langweilige Leute in die engere Auswahl genommen, scheint das Panel hier durchaus gute Arbeit geleistet zu haben. Der bekannteste unter diesen dreien ist dabei wohl noch am ehesten Michael Schulte. Auch bei „The Voice“ kein gänzlich unbekannter, erreichte er 2012 dort den dritten Platz, ist er eher so etwas wie die „Youtube Sensation“. Als Singer Songwriter hat er seit 2008 dort seinen Channel und hat dort seitdem über 40 Millionen Zuschauer geerntet. Schon vor the Voice wurde er von Rea Garvey entdeckt und seitdem kreuzen sich die Wege der beiden auch immer wieder. Schwer zu sagen, in wie weit „seit 2015“ es um ihn scheinbar wieder ruhiger wurde, zumal er auch lange Zeit in Namibia verbracht hat, aber für den Vorentscheid ist er sicher eine ganz große Nummer. Denn ausreichend Charisma und eine sehr spannende Stimme bringt auch er mit. Der Rotschopf hat etwas von einem ganz jungen Midge Ure. Und eigene Songs komponieren sollte er eigentlich auch können.

Wenn vielleicht auch nicht ganz so professionell wie „Ryk“, den man auch als „Foxos“ oder ganz regulär Rick Jurthe kennt. Er gehört zu denjenigen, die von der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim gefördert wurde und an dieser Akademie auch Composing studiert hat. Der Mann hat seitdem auch sein eigenes Label und tingelt über viele sehr kunstvoll gestaltete Musikfestivals. Zudem begleitet er als erster musikalischer Act überhaupt die bekannte Turn- und Akrobatikshow „Feuerwerk der Turnkunst“ auf deren Tourneen. Klingt alles sehr Kunstvoll… ist es auch. Wie man zum Beispiel an seinem Video „You and I“ mit Tänzerin Felice Aguilar sieht. Hier bin ich tatsächlich gespannt, denn neben der spannenden Stimme erwarte ich, dass Ryk vor allem mal eine ordentliche Show auf die Bühne zaubern kann.

Und bedenkt man die ESC-Sieger der letzten beiden Jahre, könnte er mit solch einem Song auch ziemlich den Zahn der Zeit treffen. Wenn das Live genau so klingt, werde ich persönlich wohl da meine Daumen drücken.

Und damit sind wir auch schon fast durch. Fehlt noch der Singer/Songwriter mit Englisch/Französischen Wurzeln, Xavier Darcy. Das von allen wohl unbeschriebenste Blatt und damit vermutlich auch am ehesten noch Vollblutmusiker von allen. Für einen eigenen Wikipedia-Eintrag langte es bisher noch nicht und ausser einem Auftritt in „Inas Nacht“ hat er bisher auch noch keine große Fernseherfahrung. Als 21-Jähriger muss man die natürlich auch noch nicht haben. Aber wie man zum Beispiel an Jamie Lee gesehen hat, die nicht immer wusste, wie man sich richtig zur Kamera positioniert, kann sowas schon helfen. Aber was solls. Er sieht zumindest nach Musiker aus und als musikalisches Vorbild David Bowie zu nennen ist ja auch nicht ganz verkehrt. Und ein gewisses Charisma hat er durchaus auch. Das ist es vermutlich auch, weswegen er es am Ende bis in die Top 6 gepackt hat, denn mit so wenig Vorschusslorbeeren und durch so viele unterschiedliche Panelgeschmäcker so weit zu kommen ist wahrlich alle Ehren wert. Und daher darf man auch gespannt sein, wo die Reise des Xavier Darcy endet, wenn er Lieder wie solche bringt. Er trifft damit auf jeden Fall auch einen modernen Zahn der Zeit, denn sowas wie Mumford and Suns oder Frank Turner kommt immer ganz gut an.

Wird es mit diesen Leuten für Lissabon was? Natürlich jetzt noch unmöglich zu sagen. Aber eine Sache ist schon mal spannend am Vorentscheid. Ich kann nicht mal ansatzweise sagen, wer gewinnt. Es ist auf jeden Fall nicht die Situation, dass jemand mit einer besonders großen Fanbase da wäre und der Rest nur zur Staffage antritt. Und dass gleich zwei Voice-Sieger antreten sorgt auch dafür, dass die Popularität der jüngsten Siegerin nicht zum großen Vorteil wird. Ich freue mich daher schon jetzt auf den 22sten November. Musikalisch könnte das ein sehr entspannter Abend werden.

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