ESC 2019 – Der Blick in andere Länder 23.01.

Es ist Ende Januar, damit die Zeit, in der aus allen Ländern Europas und angrenzender EBU-Staaten tagtäglich Neuigkeiten vermeldet werden, die irgendwann für den 18ten Mai interessant werden könnten. Nicht alle davon sind wirklich ein Blogeintrag wert, aber schon jetzt sind einige Personen ins Scheinwerferlicht getreten, die man mal erwähnt haben dürfte.

Den Anfang will ich mit Spanien machen. Die haben am 20.1. ihr Operación Triunfo hinter sich gebracht. Die Show habe ich nicht gesehen, aber der Sieger suggieriert, dass sie bei ihrem Versuch, das letztjährige Konzept des „drittklassige Famehunter mit dem Netz einzufangen und big brothermäßig drei Wochen in einen Käfig einsperren, um ihnen das Singen beizubringen“ auch in diesem Jahr zu wiederholen wohl mit einem Problem konfrontiert wurden… Im Netz zappelten maximal ein paar kleine Mitleidssardellen. Anders lässt es sich kaum erklären, dass die Wahl auf den Katalanen „Miki“ und sein Song „La Venda“ fiel. Stimmlich schwach präsentiert er einen Song, der beim zweiten mal hören tatsächlich ordentlich Schwung mit sich bringt. Was aber eben auch nur daran liegt, dass der geduldige Zuhörer beim ersten Versuch, dieses Machwerk zu ertragen sämtliche Gehirn- und Geschmacksnerven bereits zu gunsten eines wabbernden Blobs eintauschen muss und danach einfach nichts mehr hinterfragt. Eine völlig hirnlose Nummer, deren Erfolgschancen ich etwa so hoch sehe wie vor zwei Jahren Manels „Do it for your lover“. Aber natürlich will ich sie euch nicht vorenthalten.

Wer an der stelle denkt, es kann von hier aus nur besser werden, denen will ich aber auch gleich den Wind aus den segeln nehmen. Schon der nächste Event wird musikalische Schonkost. Denn Frankreich hat inzwischen seine Finalisten für Destination Eurovision gefunden. Und dabei reden sie alle nur von Bilal Hassani und seinem Song „Roi“ (übersetzt: König). Die Arabisch-Französische Teenage-mutant-hero-Transen-Version von Conchita Wurst. Eine Person, die so sehr von sich überzeugt ist, dass vermutlich auch jegliche Kritik an der vielleicht unmöglichsten Augenbrauenpartie Westeuropas völlig an ihr abprallen wird. Doch wenn sich Roi für Tel Aviv qualifiziert, wird das Thema sein. Diese Augenbrauen sind einfach … zu sehr ein Verkehrsunfall. Natürlich, Frankreich ist bekannt für wirklich eigenartige Publikumsvotings, das hat schon das letztjährige Destination Eurovision gezeigt, wo es Frankreich selbst war, dass sich gegen gute Songs und für Rollkragenpullover entschieden hat. Es kann alles anders kommen. Aber der Bühnenauftritt von Roi ist halt schon wirklich sehr eurovisionär… und solange die Konkurrenz entweder versucht, die miserablen Texte von Maitre Gimms zu unterbieten so wie Doutson oder anfängt wie Silvàn Areg Edit-Piaff-Chansons zu rappen, wird man sich wohl mit dem Voice-of France-Kids-Teilnehmer Bilal anfreunden müssen. Zur Sicherheit trägt er bei seinem Auftritt vermutlich auch einen Rollkragenpullover.

Aber keine Sorge, bisher kündigt sich nicht nur Trash an. Portugal scheint seinen zweijährigen Trend beizubehalten und präsentiert für das Festival de Cancao größtenteils Songs, die auch wirklich in dieses Jahrtausend gehören. Hier ist es natürlich noch viel zu früh für Tendenzen, noch sind ja nicht einmal die Halbfinals ausgetragen, aber über diesen Link kann man sich die 20 Songs schon mal anhören. Natürlich bleibt sich Portugal in mancher hinsicht weiterhin treu, alle Songs sind auf Portugiesisch und das Tempo haben sie auch in diesem Jahr nicht neu erfunden. Aber so einen Song wie O Jantar von Marlin oder João Campos mit seinem É O Que É würde ich sehr gerne in Israel wieder sehen.

Ein wahres Highlight darf man dieses Jahr aber aus Rumänien erwarten. Auch hier stehen natürlich noch die Halbfinals aus, aber die rumänischen Wettquoten scheinen sich schon sehr sicher zu sein, dass an Laura Brendan mit ihrem „Dear Father“ kein Weg vorbei gehen wird. Und warum? Mit recht! Rumänien hat sich sogar schon jetzt als potentieller Gewinner in den Wettquoten ungewöhnlich weit oben positioniert. Denn sie haben eine 16-jährige Opernsängerin. Die wurde bereits mit 13 sechster bei America got Talent, gewann im gleichen Jahr Rumäniens Supertalent-Show und hat seitdem das singen nicht verlernt. Gekoppelt mit einem erheblichen Niedlichkeitsfaktor schmettert Laura eine radiotaugliche Bombe ins Ohr, die vor allem zum ende hin gesanglich der absolute Hammer ist. Ja, mit Bukarest 2020 sollte man sich, wenn das so bleibt anfreunden. Zumindest Spanien und Frankreich werden diese Nummer sicher nicht schlagen können.

Aber naja, es ist Eurovision. Am Ende kommt ja eh alles anders, oder? Was denkt ihr? 🙂

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