Dannimax goes OSCAR! Heute: The Favourite

Auch in diesem Jahr gibt es wieder acht Filme, die sich um die Krone der diesjährigen Oscarverleihung balgen. Zwei Filme sind dabei schon von mir bewertet worden mit Bohemian Rhapsody und BlackKKlansman streiten sich dieses Jahr mit sechs weiteren Filmen, genauer gesagt Green Book, Roma, A Star is Born, Vice, Black Panther und The Favourite. Und weil ich es ja schon von der Krone habe, was läge da näher als mit einer Geschichte rund um eine Krone zu beginnen. Um die von Queen Anne im Film The Favourite. War er so königlich, dass er seine satten 10 Oscarnominierungen verdient hat? Ihr erfahrt es nach der obligatorischen SPOILERWARNUNG!

Ich nehme es vorweg. Ich liebte jede Sekunde an diesem Film. Der Film spielt – kaum verwunderlich – in England irgendwann zwischen 1700 und 1710. Hauptdarsteller ist… ja wer eigentlich. Es kommen da drei Personen in Frage, die alle drei Schauspielerisch eine wahre Meisterleistung darbieten. Offiziell ist es wohl Olivia Coleman, die als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle als Queen Anne nominiert ist. Eine ungebildete, manisch depressive, dekadente bis grenzdebile und Gischt geplagte Königin des Empires, die mit all dem politischen Getue eigentlich nichts zu tun haben will und vom Leben einfach so sehr geplagt wurde, dass man sie nicht anders als Kaputt beschreiben kann. Obwohl sie trotz allem nie die menschliche Würde verliert und sehr wohl sympathische Züge behält. Doch da sind auch Rachel Weisz als Sarah Churchill, Duchess of Marlborough und Lady Abigail Masham, gespielt von Emma Stone, die sich die Hauptrolle des Films gefühlt abwechseln. Man weiß als Zuschauer nie so genau, wessen Geschichte jetzt hier eigentlich erzählt wird, und die Schauspieler sind teilweise in der Lage, durch reine Körpersprache den Eindruck zu erwecken, dass dies ihre Geschichte ist und die anderen nur das Beiwerk. Ebenso wechseln die beiden ständig zwischen Opfer und Täter-Rolle, sodass man nie genau sagen kann, wer hier eigentlich gerade der Böse ist und wer der Gute.

Die Academy hat sich für die Hauptrolle auf jeden Fall für die grandiose Olivia Coleman (bekannt als Princess Margaret in „The Crown“ oder Ellie Miller in „Broadchurch“) entschieden, aber auch Emma Stone und Rachel Weisz für die beste Nebenrolle nominiert. Für beide wäre es der zweite Oscar in ihrer Karriere und herje, haben sie gute Chancen. Vor allem Rachel Weisz gefiel mir sehr gut in der Rolle von Sarah Churchill, der engen Vertrauten von Queen Anne. Churchill ist die oberste Hofdame und Jugendfreundin von Queen Anne und hat als solches sehr viel Einfluss auf sie. Dabei sind die beiden sich deutlich näher als man es von einer normalen Freundschaft erwarten würde, sie teilen sich bisweilen sogar das Bett. Bezeichnend dabei ist die Ehrlichkeit Sarahs gegenüber der Königin. Die scheut sich nicht, ihr zu sagen, dass sie wie ein Dachs aussieht, nachdem Anne ihr Makeup in Erwartung des Russischen Emissionärs völlig verhunzt. Und gleichzeitig kümmert Sarah sich dann eben auch um Dinge. Da wo Anne einfach nur einen Heulkrampf nach dem anderen bekommt, ist Churchill die Macherin.

Das wird sie umso mehr, als ihr Gemahl John Churchill (gespielt von Mark Gatiss) in den Krieg nach Frankreich zieht und sie so immer mehr vor politische Aufgaben gestellt wird. Sarah und John Churchill (übrigens Vorfahren von Winston Churchill und auch Lady Diana Spencer) sind politisch Anhänger des Kurses Whigs und versuchen natürlich die Nähe zur Königin auch dazu zu nutzen, ihre Agenda durchzusetzen. (Genau genommen war John Churchill tatsächlich ein Tory, profitierte aber vor allem durch die Taten des Whig-Schatzmeisters Sidney Godolphin [James Smith]. So versuchen sie die Königin auch davon zu überzeugen, keinen Frieden mit Frankreich (im spanischen Erbfolgekrieg) zu schließen, sondern mit weiteren Feldschlachten für eine bessere Verhandlungsposition zu sorgen. Anne ist damit nicht glücklich, doch sie vertraut Sarah. Dennoch wäre dies ein Unterfangen, das in England nicht gut beim Volk ankommen wird, bedeutet es doch weitere Tote und eine Verdopplung der Steuern. Und entsprechend versucht auch der Anführer der Torys, Robert Harley (Nicholas Hoult, bekannt als Beast aus den X-Men-Filmen) irgendwie an die Königin heran zu kommen. Doch Sarah nutzt die Nähe zur Königin, um dies zu verhindern.

Das Problem der Sarah Churchill ist – Politik machen und Freundin der debilen Queen Anne zu sein geht nicht beides. Anne interessiert sich nicht wirklich für die Politik, sie weiß nicht mal, was Dänemark ist. Und ist auf der anderen Seite so psyschich krank, dass sie von ihrer engen Freundin eine 24-Stunden-Betreuung erwartet. So wird sie teilweise aus politischen Debatten heraus gerufen, um mit Queen Anne Karten zu spielen oder Hummer um die Wette laufen zu lassen und den Verlierer dann zu essen. Hier kommt Abigail ins Spiel.

Abigail Hill ist eine „gefallene“ Edeldame. Als junge Lady hatte sie eine gute Ausbildung, doch der Vater hatte so viel Schulden, dass er sie irgendwann im Kartenspiel verlor und an einen Deutschen verkaufen musste, sodass sie sich all ihrer Titel beraubt als Dienstmagd am Königshof (gedreht im malerischen Hatfield House in Hertfordshire) bewirbt. Dort beginnt sie ganz unten, schläft im Schlafsaal auf den Fußboden und muss sich der Intrigen anderer Dienstmägde erwehren. Doch irgendwie kann sie sich die Gunst von Sarah Churchill sichern und wird so ihre Magd. Als solche kommt sie auch mit Queen Anne in Kontakt und wird von Sarah bald schon abgestellt, um Anne zu beschäftigen, während Sarah sich um die Politik kümmert. Doch sie unterschätzt bei diesem Plan gleich zwei Personen. Zum einen Abigail, der jedes Mittel recht ist, um irgendwie wieder in der Hirachie aufzusteigen und zum anderen Anne, die anfängt, beide gegeneinander auszuspielen und sie eifersüchtig zu machen.

Es beginnt in einem Zickenkrieg auf ganz hohem Niveau zwischen den Zweien, der letztendlich Churchill völlig entgleitet. Als Abigail, um ihre Position zu sichern einen getreuen Vasall von Robert Harley, Baron Samuel Masham (Joe Alwyn, dated aktuell Taylor Swift) heiratet und somit Harley endlich nah an die Königin ran kommt, verzweifelt Sarah gänzlich. Der Einfluss von Harley hat unter anderem zur Folge, dass Queen Anne Schatzmeister Godolphin absetzt und Harley zum neuen Kanzler macht sowie das Anne auf ihr Herz hört und die sofortigen Friedensverhandlungen mit Frankreich anordnet. Sarahs Versuch, Anne nun zu ihrer Meinung zu zwingen, in der sie Anne erpresst, die geschriebenen Liebesbriefe zu veröffentlichen führt dann gänzlich zum Bruch. Es tut Sarah umgehend leid, sie verbrennt auch die Briefe, doch Anne will sie nicht mehr in ihrer Nähe sehen. An der Stelle verhindert Abigail auch, dass die beiden sich noch einmal versöhnen.

Der Film hat am Ende dennoch keine Gewinner. Die Freundschaft zwischen Anne und Sarah ist erloschen und Sarah muss das Land verlassen, Abigail hat ihr Ziel erreicht und ist wieder im Adel angekommen, aber muss sich nun ständig um Anne kümmern, was sie aber eigentlich nicht mehr will, ihre oftmals eh gespielte Sympathie für Anne ist inzwischen gänzlich erloschen. Und auch Anne zeigt, dass die Freundschaft zu Sarah echt war, Abigail für sie aber tatsächlich nicht das gleiche ist und eigentlich immer nur Mittel zum Zweck war. So endet der 120-Minütige Film mit vielen Verlierern und einem Gewinner – dem Zuschauer.

Dieser Film hat wirklich alles, was es braucht. Er ist eine Komödie, der Umgang der Personen untereinander ist sprachlich zum Genießen, immer wieder bricht auch die Dekadenz der damaligen Zeit durch, zum Beispiel wenn man die Adeligen des Reiches im Ballsaal beim Gänserennen beobachten kann oder im Schlafzimmer der Queen ständig mehrere dutzend Hasen hoppeln. Immer wieder wirken die Verhaltensweisen der damaligen Zeit geradezu surreal, aber dadurch eben auch unterhaltend. Das Auge kann sich zudem an den Gewandungen und Locations erfreuen, die wirklich was hergeben. Auch ist das erzählte im Großen und Ganzen eine wahre Geschichte, die sich damals wirklich so abgespielt haben dürfte. Regisseur Yorgos Lanthimos hat sich zudem auch bei der Kameraführung etwas einfallen lassen, ab und an wird der Kamera eine Fischaugenoptik aufgesetzt, was das gesehene nochmal umso verrückter erscheinen lässt.

So setzen sich dann auch die Oscarnominierungen zusammen. Bester Film, beste Regie, bestes Originaldrehbuch, beste Hauptdarstellerin, zweimal beste Nebendarstellerin, beste Kamera, bester Schnitt, bestes Szenenbild und beste Kostüme. Und in jeder Kategorie dürfte The Favourite ein ernstes Wörtchen mitreden. Ich kann dem Film zwar nicht komplett verzeihen, dass man bei der großen mittelalterlichen Tanzszene statt der tatsächlichen Tänze der damaligen Zeit (Playford und Konsorten lassen grüßen) irgendeinen merkwürdigen Affentanz aufgeführt hat, aber das reicht nicht zum Punktabzug. Daher mein Fazit für „The Favourit“: 6 von 6 Oskars!

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