Dannimax goes Oscar! Heute: Roma

Ola, Muchachos! El grande Dannimaxe durfte heute den mexikanischen Film „Roma“ betrachten, die diesjährige Netflix-Produktion, die ihren Weg durch eine einwöchige Kinovorführung nicht nur in die Kategorie bester Ausländischer Film fand, sondern auch in die Kategorie „Bester Film.“ Und daher vom Trierer Oscarteam heute begutachtet wurde. Wie er war? Na ihr wisst ja… gibts hier nach dieser SPOILERMELDUNG!

Da war er also, der alljährliche Kunstfilm. Oder auch der Film aus der Sparte, die bei mir einfach nicht landen will. Soll heißen: Der Film ohne Handlung, der einfach nur durch Bildpoesie und der möglichst genauen und langatmigen Darstellung von… NICHTS …. punkten will, hat es bei mir bisher immer schwer gehabt. Boyhood war schon der Film, in dem im Leben einer nichts bedeutenden Familie aus 12 Lebensjahren die bedeutungslosesten Szenen eines langweiligen Lebens in 3 Stunden zusammen gepackt werden und so sich wie 12 Jahre anfühlten. The Revenant punktete im Folgejahr mit ausufernden Landschaftsaufnahmen im Schnee, um dann im Jahr darauf erst von Manchester by the Sea und dann noch viel Eindrucksvoller von Moonlight in Sachen gähnende Kunstlangeweile mächtig in den Schatten gestellt zu werden. Nur um im Jahrgang 2018 festzustellen, dass man gähnende Langeweile auch mit ekligen Körpersäften kombinieren kann und so Call me by your Name immernoch zu einem meiner Tiefpunkte der Oskarfilmserie werden ließ. Entsprechend habe ich „Spinnensensoren“ entwickelt, die mir intuitiv verraten, ob ein Film wohl eher scheiße ist oder nicht. Und ja… bei Roma schlugen sie aus.

Ich habe mir im Vorfeld eine Inhaltsangabe durchgelesen und dachte mir nur „Hm… das liest sich für 135 Minuten Film nicht nach einer zusammenhängenden Story… eher nach einzelnen Episoden eines Lebens, die einfach nur aufeinander folgen, aber nicht wirklich charakteränderung oder die Moral einer Geschichte erahnen lässt. Und las ich da was von „Im Dokumentarstil? Oh… oh… oh…. Tja, so kam es dann auch. Der Film stellt die Geschichte des mexikanischen DIenstmädchens Cleo vor, die in der Familie eines Arztes mit seiner Frau und vier Kindern arbeitet. Und zwar ziemlich hart arbeitet. Sie wird nicht ausgenutzt, es ist halt ein harter Job. Aber so geht es allen in Mexico des Jahres 1970, da jammert keiner drüber. Ist halt so. Und ja. Leider ist damit bereits die erste Stunde des Filmes erzählt. Ja, es ist erfrischend, dass der Film nie synchronisiert wurde und daher auf Spanisch zu sehen ist – immerhin mit Untertiteln – und ihn in Schwarzweiß zu filmen, hat die gesehenen Bilder eher interessanter gemacht. Aber die einminütige Aufnahme des Fußbodens oder wie das Auto in der Einfahrt über Hundescheiße fährt, hätte es echt nicht gebraucht. Wie so vieles anderes.

Doch tatsächlich unterscheidet sich Roma dann doch von den großen Schnarchfesten der vergangenen Jahre. Und erfreulicherweise im positiven. Natürlich kann der Fakt rein spielen, dass zum einen durch meine Vorbereitung ich mit extrem niedrigen Erwartungen in den Film hinein gegangen bin und zum anderen, dass wir ihn bei Olli auf der Couch geguckt haben und so keine Kosten anfielen. Aber dennoch hat der Film etwas, was man in Boyhood, Moonlight, Manchester by the Sea oder Call me by your Name vergeblich sucht: Sympathische Charaktere. Cleo jammert nicht, sondern macht ihren Job, sie zeigt keine aufdringlichen Charaktereigenschaften eines SOnderlings. Die Familie ist durch die Bank weg erträglich, auch wenn natürlich etwas elitär. Und scheinen die meisten zumindest langsam eine Geschichte zu erzählen, die man sich selbst ein wenig zusammen reimen muss. Ob es die der Familie ist, bei der der Arzt die Frau samt Kinder verlässt und irgendwann auch kein Geld mehr zahlt, was die Mutter so gut es geht vor allen anderen verheimlicht oder um Cleo selbst, die Schwanger wird und um ihren Job fürchtet, vor allem weil der Vater quasi bei der Verkündung noch flüchtet und mit ihr nichts mehr zu tun haben will.

Natürlich tröstet das nicht darüber hinweg, dass 70 % aller gezeigten Szenen unbedeutend und langatmig sind. Die Geschichte wäre quasi auch in 15 Minuten Film erzählt worden. Und dennoch ertappt man sich ab einem gewissen Zeitpunkt dabei, dass das gezeigte einen dann doch packt. Man will wissen, wie es mit Cleo weiter geht, vor allem ab dem Moment, wo um Cleo und vor allem um den Vater des Kindes herum Revolten ausbrechen (bzw. an denen er aktiv beteiligt ist), was bei Cleo auch zu einer Fehlgeburt führt. Man könnte sagen, dass im letzten drittel des Films die Langeweile vergessen ist und man mit dem gezeigten durchaus seinen Frieden gefunden hat. Gerade die Krankenhausszene ist auch einfach stark, weil es den Kampf zwischen persönlichem Schicksal und Massenabfertigung eines völlig überlaufenen Krankenhauses sehr krass darstellt. Auch später arbeitet er mit interessanten Kontrasten, wenn die Mutter ihren Kindern erklärt, dass sie sie anlügen musste und sie eigentlich nur an den Strand nach Veracruz gefahren sind, um dem Vater die Gelegenheit zu geben, seine Möbel aus dem Haus zu holen. Danach sieht man sie völlig am Boden zerstört ein Eis essen, während direkt daneben ein Hochzeitsfotograf ein frisch vermähltes Paar fotografiert.

Diese Kontraste landen alle irgendwann, zudem hofft man diesen eben doch sympathischen Leuten eben was gutes. Und so wird Roma aus der Serie langweiliger Kunstfilme bei den Best-Picture-Oscars dann doch irgendwie zum besten seiner Art in den letzten Jahren. Meinen freunden empfehlen würde ich Roma aber dennoch nicht. Elitären Kunstliebhabern vielleicht noch. Und daher vergebe ich auch letztendlich 3 von 6 Oskars.

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