Dannimax goes Oscar! Heute: Black Panther

Da ist es nun, das angeblich so heiß erwartete Review über “Black Panther”. Der erste Film aus dem Marvel Universum, bei der es zu einer Nominierung in der der Kategorie „Best Picture“ gereicht hat. Obwohl man meinen könnte, dass solche Nerdfilme genau meinen Geschmack treffen sollten, ist Black Panther ein Movieevent, den ich nicht gerade mit großer Vorfreude entgegen geblickt habe. Ich lebe dahingehend inzwischen längst nach der Devise „Dont believe the hype“ und meide das Kino, egal, wie angefixt alle anderen sein sollten. Vor allem nach so hundsmiserablen Filmen wie „Avengers 2 – Age of Ultron“ ist mein Bedarf durchaus gedeckt, was diese inhaltsleeren, immer wieder neu aufgewärmten Comicverfilmungen betrifft, bei der der Hauptprotagonist im Vergleich zum vorherigen Film im Grunde nur anders angezogen ist, dennoch im Grunde den gleichen Film darstellt. Im Falle von Black Panther zum 18ten male. Doch dieser war nun für „Best Picture“ nominiert und damit ein Pflichttermin. Konnte Black Panther eine positive Überraschung sein? Ihr erfahrt es nach der obligatorischen SPOILERWARNUNG!


Konnte Black Panther diese Nominierung in die heiligen Hallen Hollywoods rechtfertigen? Die Frage wurde mir bereits nach sage und schreibe 15 Sekunden beantwortet. Nein. Der erste Satz im Film war schon scheiße. Wenn ich als Stilmittel zur Erklärung der Welt, in der dieser Film spielt schon das Stilmittel wähle, in dem ein Vater seinem Kind die Gründungsgeschichte erzählt, dann fange ich nicht an mit „Paps, Erzähl mir die Geschichte von Wakanda“, „Es war vor Millionen Jahren, da landete auf Wakanda ein Meterorit aus reinem Vibranium…“ Wenn ich einem Kind eine Geschichte erzähle, dann ist das dritte Wort nicht „Vibranium“, weil ein Kind ohne weitere Erklärung eh nicht wissen wird, was das sein soll. Ich erzähle auch keine Geschichte von kriegerischen Stämmen, ich gebe mir zumindest Mühe, eine Geschichte so zu erzählen, dass es auch eine Kindergeschichte ist.

Ich möchte an der Stelle jetzt auf keinen Fall kleinlich wirken. Natürlich ruinierte das nicht bereits den Film. Aber die erste Minute zeigte bereits, was sich wie ein roter Faden durch die gesamten 124 Minuten des Films ziehen sollte. Black Panther ist lustlos, uninspiriert und unüberlegt. Von Anfang bis Ende. Ein Logikloch folgt dem nächsten, die Charaktere sind so tiefsinnig wie B-Seiten-Songs von Modern Talking-Schallplatten. Ihre Handlungsmotive, genau wie die Darstellung von Wakanda selbst beleidigen meine Intelligenz. Es gibt wirklich nichts an diesem Film, was irgendwie überzeugt und mein Hauptproblem mit Black Panther ist, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll zu erklären, warum dieser Film so mies ist. Ich versuch es mal,

Meistens hilft es ja, erst einmal die Story des Films zu erzählen. Es ist natürlich ein klassischer Drei-Akt-Superheldenfilm. (Held wird erschaffen, Held fällt, Held steht wieder auf und gewinnt). Es geht um den „Black Panther“, genauer der frisch König gewordene T’Challa (Chadwick Boseman) vom Afrikanischen dritte-Welt-Land Wakanda. In Wirklichkeit ist Wakanda aber kein dritte-Welt-Land, sondern nach einem Meteoriteneinschlag einziger Besitzer des… Metals?… Vibranium, ein Material, dass ihnen irgendwie technologischen Fortschritt ermöglichte und auch dazu führte, dass sie ihre eigentliche Existenz komplett geheim hielten. (Getreu dem Motto „man hat ja gesehen, was die Europäischen Kolonisten so machen, wenn sie nach Afrika kommen, wir tun lieber so, als hätten wir nichts, was es wert wäre zu bleiben“).

Aus irgendeinem Grund ist T’Challa nicht nur neuer König von Wakanda, sondern hat durch den Konsum einer pflanzlichen Droge und zudem einen technisch gepimpten Neoprenanzug Superkräfte und hält es für Notwenig, als Superheld „Black Panther“ weltweit die Interessen Wakandas (Ihre Geheimhaltung? Den Grund seiner Zweitidentität erfährt man leider nie) zu vertreten. Aktuell auf der Agenda der Verbrechensbekämpfung steht dabei ein Söldner namens Ulysses Klaue (Andy Serkis, Gollum), welcher vor 30 Jahren etwas Vibranium aus Wakanda geklaut hat und dabei auch noch ein paar Leute umgebracht hat. Dabei scheitern sie aber zunächst, weil Ulysses Klaue mit Erik Stevens, genannt Killmonger zusammen arbeitet, welcher zugleich ein Neffe des Königs ist und mit dem Herrscherhaus in Wakanda noch eine Rechnung offen hat. Denn weil T’Challas Vater seinen Vater umgebracht hat, will Killmonger nun König von Wakanda werden und mit der dortigen Technologie die Weltherrschaft erkämpfen…. Äh… ja… wie dem auch sei, das gelingt auch fast, aber am Ende gewinnt doch der Black Panther.

Um solch eine dünne Story auf 124 Minuten Länge zu packen, hat Regisseur Ryan Coogler (Creed – Rockys Legacy) das Stilmittel der belanglosen Effekthascherei gesetzt. Zudem stattete er talentierte, hoch dekorierte Schauspieler wie Forest Whitaker (Der letzte König von Schottland, Good Morning Vietnam, Platoon), Martin Freemann (Arthur Dent, Bilbo Beutlin, Sherlock), Lupita Nyong’o (12 Years a Slave) oder eben Andy Sirkis mit Rollen aus, die in ihrer Darstellung so schwach sind, dass sie sich von Laiendarstellern in RTL-Reality-Shows nicht mehr unterscheiden können.

Beispiele gefällig? Forrest Whittaker spielte einst den völlig wahnsinnigen Idi Amin im König von Schottland. Eine hochbrisante Rolle. Hier spielt er einen Priester, der jedes. Wort. Wie. Einen. Eigenen. Satz. Ausspricht. Ausser wie Captain Kirk sprechen zu müssen, erfüllt „Priester Zuri“ in seiner Rolle auch keine eigentliche Aufgabe. Er war eben damals als Spion anwesend, als T’Challas Vater dessen verräterischen Bruder im Streit erschlug und hatte wohl Schuldgefühle, weil sie danach aus Sicherheitsgründen dessen Sohn alleine (eine Mutter wird nicht erwähnt) in Oakland aufwachsen ließen. Als T’Challa von Killmonger zu Duell herausgefordert wird und zu verlieren droht, will er sich zudem opfern und wird erstochen, was alle natürlich totaaaal traurig macht. Als Zuschauer des Films ist einem das allerdings herzlich egal, er war eh belanglos, so wie alle anderen auch. Es gibt niemanden, zu dem man eine persönliche Bindung aufbauen kann.

Auch alle anderen Rollen bieten nichts außer abgedroschenen Klischees. Beispiele gefällig?

Black Panther/König T’Challa (Chadwick Boseman). Warum ist der König von Wakanda als Superheld unterwegs? Bzw. war es schon vorher, als er noch Kronprinz war? Man erfährt es nicht, aber scheinbar hat in Wakanda niemand ein Problem damit, wenn ihr politisches Staatsoberhaupt sich immer wieder in Lebensgefahr begibt. Warum hat er diesen Drang, Sachen alleine zu machen? Keine Ahnung. Scheint aber auch niemanden zu stören. Und warum jammert er eigentlich so sehr darüber, dass er nun König werden muss. Offensichtlich ist ihm wichtig, ein guter König zu werden und er hat keine Ahnung, was man dafür tun muss. Aber außer zwei drei Szenen, in denen sich die Protagonisten bei dem Thema nur inhaltsleere Phrasen im Level „Du hast ein Problem? Die Antwort ist „Sei du selbst“ austauschen, wird das Thema fast nicht angeschnitten. Verschwendetes Potential.

Nakia (Lupita Nyong’o). Die Exfreundin. Sie ist sowas wie „Robin“. Nur ohne Hintergrund oder Charakterprägung. Sie ist einfach da. Man erfährt übrigens nie, warum sie die EX ist. Macht auch nix, am Ende knutschen sie wieder. Nicht, dass diese Romanze im Vorfeld irgendwie von Bedeutung gewesen wäre. Es geht im Grunde bei ihr nur darum, dass sie nicht in Wakanda bleiben will, sondern andere Aufgaben erfüllen will. Welche… erfährt man nicht. Bzw. ist für die Story überhaupt nicht wichtig. Am Ende macht sie ja doch eh ausschließlich, was der Story dient.

Prinzessin Shuri (Letita Wright). Shuri, die jüngere Schwester des Königs, die quasi als Teenagerin die Rolle des Q in James Bond übernimmt, die ganzen technischen Erfindungen macht, alles weiß, alles kann und ein Verhalten an den Tag legt, dass sie in etwa so sympathisch macht, wie Whesley Crusher in Star Trek Next Generation. Genau genommen IST sie Whesley Crusher und macht die Rotzgöre zu einer der sicherlich hassenswertesten Charaktere des ganzen Films.

Königinmutter Ramonda (Angela Bassett) ist im Grunde nur dazu da, in dramatischen Szenen in Zeitlupe den Namen anderer Protagonisten zu rufen oder mit sowas wie „du schaffst es. Dem Film doch keine überraschende Wendung zu geben. Was immer sie sagt, wird von anderen ignoriert. Hat aber auch keinen Effekt. Es gab einen Kritker von USA Today namens Brian Truitt, welcher Black Panther unterstellte, Gameof-Thrones-artige Intrigen zu haben. Mit Blick auf Königinnenmutter Ramonda fallen mir in dem Zusammenhang nur zwei Worte ein. Roose Bolton. Case closed…

W’Kabi (Daniel Kaluuya, Get out) Offensichtlich ein Krieger und bester Freund des Black Panther. Hätte gerne gesehen, dass Wakanda an die Öffentlichkeit geht, hat einen Hals auf „Ulysses Klaue“ weil der wohl vor 30 Jahren seine Eltern umgebracht hat. Kommt im Film genau dreimal vor. Beim ersten Mal sagt er T’Challa, dass er mit ihm durch dick und dünn geht, beim zweiten Mal hält er T’Challa bereits für einen Versager, weil er es nicht gepackt hat, Ulysses Klaue gefangen zu nehmen. Beim dritten mal läuft er bereits zu Killmonger über und ist ein blühender Verehrer. Oh, und er reitet auf Kriegsnashörnern in die Schlacht.

Kriegsnashörner – haben in der Schlacht keinerlei Effekt, stellen überhaupt keine Bedrohung da. Genau wie alle anderen. In keiner einzigen Schlacht kommt das Gefühl auf, dass von irgendetwas eine Bedrohung ausgeht. Ein Problem, dass z.b. auch Age of Ultron schon hatte. Das wäre verkraftbar, wenn die Kampfszenen irgendwie spannend choreografiert wären. Doch statt Kampfkünste wie Bassula, Donga oder NiGolo einzubauen, ist es der Charakterlose Marvelbrawl, wie er in allen anderen Filmen auch zu sehen ist. Es macht überhaupt keine Freude, sich Kampfszenen anzusehen, weil sie den Film nur in die Länge ziehen, aber – wie eben alles andere auch – keine Eigenständigkeit hat.

Ulysses Klaue – Andy Sirkis versuchte glaube ich, irgendwie wie der Joker zu wirken. Sein „böses“ verhalten, wirkt jedoch so weltfremd, unnachvollziehbar und grotesk, dass er als Bösewicht nicht ernst genommen kann. Er ist quasi kein „echter Mensch“, sondern zu jederzeit ein Konstrukt, dass offensichtlich nur einen einfachen Zweck erfüllen soll „Ich bin der Böse. Hasse mich.“

Killmonger (Michael B. Jordan). Der eigentliche Böse. Und das richtig traurige – für eine Zeit lang ist er der einzige Charakter, zu dem man als Zuschauer eine Bindung aufbauen kann. Denn seine Wut darüber, dass man ihn in einer Stadt wie Oakland aufwachsen ließ, wäre schon Grund genug für eine „HauDrauf-Attitüde.“ Da hätte es den Mord an seinem Vater gar nicht gebraucht. Zwar könnte man hier – ähnlich wie bei W’Kabi sagen „Junge, das war 1992, du warst seitdem u.a. in Afghanistan, Zeit genug, drüber weg zu kommen und auf andere Gedanken zu kommen.“ Aber in dem Film ist man ja schon dankbar über etwas Charaktertiefe. Die verliert er dann leider sofort, als er dann neuer König von Wakanda wird. Dann will er auf einmal die Weltherrschaft und schickt Flugzeuge aus, um andere Länder zu überfallen. Warum? Erfährt man nicht. Ich frage mich noch ein wenig, was er für ein Problem mit Ländern wie Andorra oder Bhutan ist, dass man die „Unterdrücker des Afrikanischen Volkes“ dort bestrafen müsse… egal. Weltherrschaftspläne sind ja immer gut, um den Bösewicht zu (über-)zeichnen. Sorgt auch dafür, dass es scheißegal ist, dass Killmonger sich lieber selbst umbringt, als unter Wakanda-Gefangenschaft zu leben. Er war ja durch seine Darstellung schon vorher irrelevant geworden

M’Baku (Winston Duke). Wakanda besteht aus 5 Völkern, vier, die den König cool finden und ein rebellisches, das Bergvolk. Ihr Anführer ist M’Baku. Einzige Aufgabe – den König herausfordern und verlieren. Da ist es natürlich wichtig, als rückständiges Bergvolk auch zu sprechen wie ein Gorilla. Dennoch eins der Highlights des Filmes. Oh. Das kommt widersprüchlich. Nicht M’Baku ist das Highlight oder was Winston Duke daraus macht. Ich spreche von seinem Innenarchitekten. M’Bakus Palast ist ziemlich cool eingerichtet. Auch wenn ich einfach nicht weiß, welcher Afrikanische Staat in Äquatornähe ein solch Schneebedecktes Hochgebirge vorweisen kann, bzw. wieso eine schwer verletzte Person nur noch am leben ist, weil sie mit diesem Schnee bedeckt worden ist… ich versuche nicht drüber nachzudenken, warum das so ist oder wieso genau M’Bakus Volk den ach so verhassten König ins Hochgebirge getragen haben… aber es ist echt schwer…

General Okoya (Danai Gurira). Ja, ihr zählt richtig, hier ist schon der 10te Charakter des Films, der in seinem Handeln den Film schlechter macht. Wobei Okoya hier eher als Sinnbild für „Die Bedeutung des Ehrenwortes eines Wakanders“ steht. Es ist nämlich NICHTS wert. General Okoya und ihr Superspeer ist die Glatzköpfige Anführerin der Königlichen Garde. Ist in ihrem Handeln im Grunde nicht von Nakia zu unterscheiden, aber darum geht es gerade weniger. Mehr darum, dass sie Nakia erklärt, dass ihre Loyalität dem Thron gilt und sie daher dem neuen König treu ergeben sein muss.

Wäre ein spannender Aufhänger gewesen, wenn Okoya und ihre Damen den neuen König nicht bereits in der aller ersten Schlacht als aller erste Amtshandlung der ganzen Schlacht überhaupt verraten würde und sich auf die Seite des Black Panthers schlagen würde. Die Erklären sich nicht mal – und auf der anderen Seite verwundert es natürlich auch niemanden. Sie kämpfen gegen die Truppen von W’Kabi (Übrigens Okoyas Ehemann), was die Sache noch aberwitziger macht. Umgekehrt wäre es spannend gewesen. In diese Schlacht mischen sich am Ende als Retter auch noch die Truppen M’Bakus ein, obwohl er zuvor klar gemacht hat, dass seine Truppen sich nicht einmischen. Aber mit Konsequenz haben sie es da nicht so, schlimmer Weise brauchen sie aber noch nicht einmal einen Denkanstoß, der ihnen einen Grund gäbe, die Meinung zu ändern. Manchmal langt sogar ein „Ich bin der König“, um einen Schwur zu brechen, so geschehen bei Zuri, der T’Challa klar macht, dass er geschworen hat, das Geheimnis seines Vaters für sich zu behalten, nur um EINEN SATZ später dann doch zu erzählen, dass T’Challas Vater seinen Bruder im Kampf tötete.

Wenn wir schon beim rituellen Zweikampf sind… nicht nur die 10 wichtigsten Charaktere des ganzen Filmes sind ein großes Problem für den Film. Auch die Kultur Wakandas selbst ist so lieblos bis schlampig dargestellt, dass es nahezu unmöglich ist, eine persönliche Bindung damit aufzubauen. Das gilt für den Ort selbst genauso wie für ihre Kultur. Die wirkt in etwa so authentisch und afrikanisch wie der fremde nigerianische Multimillionär, der dir dutzende Male diese E-Mail geschrieben hat, dass er deine Hilfe bräuchte. Das liegt nicht daran, dass die Drehorte in Atlanta, Argentinien und Brasilien lagen und nur für einige wenige Luftaufnahmen mal eine Drohne in Uganda und Südafrika herum fliegen durfte. (Aber lausig ist die Entscheidung, nicht in Afrika zu drehen dennoch), sondern daran, wie sehr die Darstellung der Technologie in Wakanda eine Interessante Idee in ein Volk arroganter Techno-Snobs mutierte. Hier werfe ich Ryan Coogler teilweise auch Faulheit vor, sich mit der afrikanischen Kultur nicht auseinander gesetzt zu haben. Dass das Land eine Tarnvorrichtung hat, um ihre Multimillionenstadt von oben wie ein kleines Bergdorf aussehen zu lassen, ist schon etwas over the top, aber das kann man verzeihen.

Wie ein Land wie Wakanda aber über Jahrhunderte verbergen konnte, dass ihre Technologie der heutigen um teilweise 100 Jahre Voraus ist und eher wie Star Trek wirkt denn wie 2019, kann keiner so richtig erklären. Zumindest nicht, wenn sie, sobald sie mal auftauchen und Leute retten sowas sagen wie „ihr sagt hierüber kein Wort“ und dann einfach auf gut dünken abdampfen, getreu dem Motto „die werden sich schon dran halten.“… Solange Wakanda in jeder großen Stadt eine Armada von Spionen hält, die man daran erkennt, dass sie ein blau glitzerndes, leuchtendes Tattoo auf der Unterlippe haben (was vermutlich bei jedem Nachtmahl zu einer spannenden Lightshow im Mund führen könnte), halte ich es für unmöglich, solch einen technisch versierten Staat nur mit Tarnschild geheim zu halten. Aber darauf geht der Film ja nicht ein. Stattdessen sieht man nach dem durchfliegen des Tarnschildes eine Großstadt, die architektonisch so ziemlich jedes Hochhaus der Welt geklaut haben dürfte. Zumindest meine ich, das Burj Khalifa in Dubai und das Shard in London gesehen zu haben. Womit es also schon mal zwei Architekten geben dürfte, die nicht aus Wakanda stammen. Wie auch immer, die Stadt hat beim ersten Blick überhaupt keine eigene Architektur, sie ist einfach nur da. Man hätte der Stadt architektonisch ein Thema verpassen können. So wirkte sie nicht einmal afrikanisch.

Die vorhandene Technik derweil weist eher auf eine spätrömische Dekandenz hin denn auf eine werteorientierte Konstruktion. In Wakanda haben sie große Turbinen ind en Fluss gebaut, damit sie den Wasserfall quasi abstellen können und so Platz machen können für ein Areal, in dem sie ihre traditionellen Riten abhalten können…. Die Frage muss erlaubt sein, wer braucht sowas? Wer braucht Kommunikatoren, die die Person, mit der man spricht in 3D als Miniatur abbildet? Wer braucht „Geräuschlose Sandalen?“ Und wie wissenschaftlich soll bitteschön dieser Anzug sein, der Kinetische Energie speichern und umleiten kann? Physik darf auch in Wakanda erlaubt sein, oder?

Ich würde an der Stelle fast schon wieder zurück zur Architektur kommen, denn das unterirdische Wissenschaftslabor, dass tief in die Moria-ähnlichen Untiefen der Vibraniummine blicken lässt, ist gutes Sinnbild für völlig übertriebenen Gigantismus. Und da kritisiere ich (noch) nicht mal, dass sie diese Untiefe natürlich nicht auslassen konnten, sondern eher, dass beim Kampf des Panthers mit Killmonger Coogler es natürlich nicht sein lassen konnte, die beiden wie Gandalf und der Balrog mehrere Marianengraben tief stürzen und dann wie Jediritter halber drei Viertel auf den Füßen aufkommen zu lassen. Und dann so zu tun, als wäre nichts passiert.

In Anbetracht all dieser Moderne und in Anbetracht dessen, dass all diese Technologie scheinbar sogar von Teenagern verstanden und erfunden wird, bringt das ein weiteres Problem dieses Films mit auf. Denn trotz all diesen Fortschritts will sich Wakanda als Traditionell zeigen. Wie ein Ritual, in dem der König nur König werden kann, wenn er nicht von jemand anderem im Kampf herausgefordert wird und dabei verliert, wie ein Ritual in solch eine moderne Zivilisation passen soll, wird nicht erklärt. Vielmehr treten sie diese scheinbar ja ach so wichtige Tradition mit Füßen. Als bei T’Challas Krönung erst niemand zum Duell aufrufen will, dann sich aber (ausgerechnet) Shuri meldet, nur um ein abfälliges „Können wir den Quatsch jetzt mal lassen und ihn zum König erklären“ von sich zu geben, wäre normalerweise jedem, dem Tradition auch nur etwas bedeutet die Hutschnur hoch gegangen. In Wakanda reagiert man mit einem Facepalm eines Kindes. Das war‘s. Thema beendet. Da gab‘s nicht mal Hausarrest für. Wenn der Stellenwert ihrer Rituale so hoch ist… warum gibt es sie dann noch, warum baut man dann dafür Turbinen und Pumpen in einen Wasserfall?

Aber dafür sieht man die traditionelle Wakanda-Bevölkerung stattdessen beim traditionellen afrikanischen Tanz in den Klippen (Wie sie da überhaupt in die Zwischenräume gekommen sind, muss man sich aber nicht fragen, weil auch das CGI in diesem Film so uninspiriert ist, dass man eh weiß, dass es künstlich ist und nicht mehr hinterfragt werden muss). Die 5 Völker Wakandas lassen auch erahnen, wie groß das „getarnte, unentdeckte Land“ sein muss. Eins der Völker trägt die Lippenscheiben des Äthiopischen Suri-Volkes (dabei grüne Sakkos tragend), andere sind gekleidet wie Beduinen, ein drittes Volk ist eher an Sambesische Steppenvölker angelehnt. Diese Kulturen sind in echt mehrere tausend Kilometer voneinander entfernt. Das wäre, wie wenn man ein Volk präsentiert, dass russische und spanische Kulturelemente zu ein und dem gleichen erklärt und sie auf eine Fläche von Liechtenstein packt. Wird schon keiner hinterfragen. Muss ja auch nicht, soll für den Film ja nicht wichtig sein. Dass in Wakanda bei den Göttern auch noch die Ägyptische Gottheit Bastet angebetet wird, setzt diesem Sammelsurium an zusammengewürfelten Traditionen dann noch die Krone auf.

Aber wie gesagt, ich will nicht kleinlich wirken. Die Kultur Wakandas ist eher eine vergebene chance. Wer weiß, vielleicht musste man sich ja sogar an die Comicvorlage von Stan Lee und Jack Kirby halten. Nur ist die aus den 50er Jahren und in heutigen Zeiten vielleicht nicht mehr so frisch… aber es entschuldigt nicht die Logiklöcher, die der Film zusätzlich noch hat. Killmonger zum Beispiel tötet Ulysses Klaue, um dessen toten Körper in Wakanda abzugeben und so W’Kabi zum Freund zu gewinnen. Bevor er ihn tötet, klaut er mit ihm vorher ein Stück Vibranium aus einem Museum in London, tötet dabei bei laufendem Betrieb völlig ohne Not drei Museumswächter und vergiftet noch viel unnötiger eine Museumskuratorin. (Als hätte es deren Tod benötigt, um an die Sachen ran zu kommen), dann befreit er später noch Klaue im Koreanischen Busan aus dem Polizeigewahrsam und flüchtet mit ihm zu einem Flughafen. Dort erschießt er ihn. Im Grunde zu früh, da Klaue ja eigentlich seine Fahrkarte nach Wakanda hätte sein müssen. Oder falls Killmonger es so wusste, warum hat er ihn dann nicht schon erschossen, bevor sie das Museum überfallen haben?

Und dann wäre da noch Busan selbst. Kasino, Verfolgungsjagt… das verspricht eine Actiongeladene Szene, klar. Aber so wenig Grips wie in diesem Kapitel des Films ist mir selten begegnet. T’Challa, Nakia und General Okoye gehen zu dritt in Korea in ein geheimes Casino, um dort Klaue und seine Leute zu stellen. Damit die Glatzköpfige Okoye nicht auffällt, haben sie ihr eine Perücke angezogen, worüber sie nicht erfreut ist. Und nun finde den Fehler. Ich wiederhole nochmal langsam. Drei Afrikaner versuchen in einem koreanischen Casino nicht aufzufallen und ziehen einer Frau daher eine Perücke auf, während alle anderen unverändert bleiben. What. The. Fuck. Die Mission geht natürlich schief, „überraschenderweise“ sind die Bullys an Klaues Seite alle bewaffnet und es kommt zur Ballerei. Und. Niemand. Nutzt. Seine. Waffen. Sie gehen alle in den Faustkampf und werden natürlich vermöbelt. Sie sind übrigens in dem Kasino, weil Klaue einen Deal mit dem FBI (in Form von Agent Everett K. Ross (Martin Freemann) ausgehandelt hat, um sein gestohlener Schatz aus dem Museum zu verkaufen. Als würde das FBI mit Hehlerware und solchen Leuten dealen… is klar. Als der Deal schief läuft, kommt es zur klischeehaften Flucht via Autoverfolgung. Besonderes Augenmerk dabei auf den goldenen Speer, den Okoye mit sich trägt. Den wirft sie irgendwann auf ein Auto, dieser durchschlägt das Auto, steckt in der Straße und lässt das Auto so mehrere Überschläge machen, weil es den Speer nicht aus dem Boden reißen kann. Dagegen war Exkalibur ein Scheiß.

Mehr Überschläge als diese Autos hatten sonst nur die Opfer des Black Panthers, die einmal getroffen gerne mal mehrfache Schrauben durch die Luft machten oder sonst wie herum flogen. Eine Kampfdarstellung wie man sie zuletzt vielleicht noch bei Lasko, der Faust Gottes auf Super RTL beobachten durfte, seitdem aber eigentlich nicht mehr so up to date sein sollte… sollte man meinen.

Aber wer solche Mittel und solche Fähigkeiten hat, fängt Klaue eben. In der erwähnten anschließenden Ballerei um dessen unnötige Befreiung wird Ross dann auch noch angeschossen. Was macht der König so ein hoch technologisiertes, aber geheimes Volk wie Wakanda in dem Fall? Ach… der arme, den können wir ja nicht sterben lassen. Wir transportieren ihn von Korea nach Wakanda, um ihn da innerhalb von 24 Stunden zu heilen! Wir opfern dafür unseren Geheimnisstatus. Gegenüber einem FBI-Agenten, der mit Hehlern deals machen wollte… statt ihn einfach in ein Krankenhaus zu bringen. Das kannst du dir nicht ausdenken… Es war schon eigenartig, als er am Anfang des Filmes sein Leben und auch das von Nakia sowie einigen gefangen Frauen riskierte, als er ihre Geheimmission eigenhändig abbrach und den Trupp Afrikanischer Freischärler aufmischte, nur um Nakia zu sagen, dass der König gestorben sei und sie doch bitte zu seiner Krönung in Wakanda erscheinen soll. DA HÄTTE MAN AUCH EINE E-MAIL SCHREIBEN KÖNNEN!

So schreibe ich stattdessen einen Blog. Und denke, ich habe genug geschrieben, um zu erklären, was für ein Desaster „Black Panther“ darstellte. Wie immer will ich den Film auch bewerten. Und das muss ich dann auch noch aus der Sicht des Filmes im Vergleich zu den anderen Oscar-Nominierten tun. Dieser Film wurde in einem Atemzug mit Bohemian Rhapsody oder „The Favourite“ genannt, als es um die Kategorie „Best Picture“ ging. Diesen Film dafür überhaupt in Erwähnung zu ziehen, da müssen einige bei der Academy ordentlich am Blitz geleckt haben. Wie konnte das passieren? Sind die sinkenden Zuschauerzahlen der Oscarverleihung so gravierend und das verweigern der Kategorie „bester Populärfilm“ so übel aufgeschlagen, dass sie die Nominierung eines solchen Filmes rechtfertigen? Oder hatte er einfach Glück, weil die gültigen Alternativen in 2018 „Avengers 3, Antman 2 und Aquaman gewesen wären? Ich weiß es nicht, ich finde darauf keine Antwort. Aber eine Antwort auf zwei andere Sachen finde ich. Zum einen. Meine Entscheidung, mir keine Comicverfilmungen mehr im Kino anzusehen scheint völlig richtig gewesen zu sein. Und zum anderen: Ein solcher Film im Vergleich zu anderen Oskarfilmen verdient keine andere Bewertung als 0 von 6 Oskars!

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