Dannimax goes Cinema! Heute: Blade Runner 2049

Ja, so ein Kinobesuch ist doch immer wieder ein guter Anlass, das in letzter Zeit etwas vernachlässigte Blog wieder zu entstauben. So auch heute, denn es ging in den derzeit heißesten Scheiß außerhalb von Trier. Blade Runner 2048. Eine Fortsetzung eines DER Genrefilme der 80er. Damals entstand der Cyberpunk und Fans von Shadowrun knien noch heute in Ehrfurcht nieder vor Harrison Ford und Ruttger Hauer. Jetzt kommt auch noch Hollywoods heißester Scheiß dieses Jahrhunderts dazu. Ryan Gossling. Was sollte da schief laufen? Die Antwort gibt es nach einer SPOILERWARNUNG.

Was da schief laufen kann? Ich würde sagen so ziemlich alles. Ich bin dabei sogar mit recht geringen Erwartungen in den Film rein gegangen. Ich bin nicht gerade eine große Leuchte, wenn es um die Themen Shadowrun oder Cyberpunk geht. Ich kenne den alten Blade Runner und fand ihn gut und unterhaltsam. Doch ich gehöre sicher nicht zu den Leuten, die aus Blade Runner eine Art Religion machten. Ich wusste auch, dass ihn damals auf der anderen Seite einige etwas zu langatmig fanden, aber das störte mich auf jeden Fall nicht. Der Film erzählte nicht nur eine nette Detektivgeschichte sondern bot auch mit seinen Eindrucksvollen Bildern und dem steten eigenartigen Vangelis-Sound eine eigenartige, dystopische Welt, die einfach interessant da her kam. Die die Fantasie anregte und eine Geschichte erzählte. Wie konnte die Welt so tief sinken? Wie hält sie sich am Leben? Was ist das für eine Gesellschaft. Daran konnte ich mich durchaus festhalten. Der neue Film warb nun mit tollen Bildern und die Idee, die damalige Welt mit den heutigen technischen Mitteln zu sehen, brachte so ziemlich die einzige Erwartung mit sich, die ich an den Film hatte.

Zum ersten Mal ahnte ich dann an der Kinokasse, dass ich mich in Probleme begeben hatte. 11,50 während der Woche im Broadway ist etwas höher als normal. Der Grund lag an der Über-Überlänge des Films. 164 Minuten ist für einen Film doch schon recht lange. Und ein Film, der mir sogleich in den Sinn kam, weil er ähnlich lang war, war Boyhood, immer noch der schlechtesten Best-Picture Film, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Da schon der Ursprungsfilm eine recht gemächliche Erzählweise hatte, begann ich mich schon ein wenig zu Sorgen. Der dauerte damals „nur“ 112 Minuten. Jetzt wurde fast nochmal eine ganze Stunde drauf gepackt. Puh. Na hoffentlich gaben die Bilder was her.

Ja. Zugegeben. Die Szenen waren extrem Bildgewaltig. Das war durchgehend schön anzusehen. Dafür gibt’s neidlos ein Fleißsternchen. Aber schon nach nur etwa 10 Minuten… oder 20… vielleicht auch 30, man verlor sehr schnell sein Zeitgefühl … Minuten wurde klar, dass der Film ein monströses Problem hat. Sein Pacing. Der Film ist langatmiger als das Boot in der Extended Version. Irgendwie wirkt alles wie in Zeitlupe und das zähe Storytelling saugt einem die Lebensenergie wie ein Vampir aus. Und auch die Charaktertiefe ist bei den gezeigten Charakteren redundant. Ryan Gossling spielt den Polizei-Super-Replikant Officer K, welcher angeblich die Wandlung vom Skrupellosen Killerroboter zum Mitfühlenden Wesen machen soll. Aber eigentlich ist er nur „Ryan Gossling, der Powergamer“. Der, der alles alleine kann, der keine Fehler macht, der bis auf molekulare Ebene alles erkennen kann und niemanden braucht.“ Harrison Ford ist einfach nur Alt und wirkt fast etwas gelangweilt. Bösewichter wie Jaret Leto als Wallace labern einfach nur dummes Zeug rum und schnibbelt ohne Not frisch geborene Replikanten auf. Silvia Hoeks als Luv ist als tumbe, gnadenlose Killerin völlig Eindimensional, woran auch hier und da eingestreute Krokodilstränchen nichts ändern. Die Schauspielerischen Leistungen sind von denen eines Ruttger Hauers Lichtjahre entfernt. Wenn man Dave Bautista (Bekannt als Drax aus Guardians oft he Galaxy oder der World Wrestling Federation) schauspielerisch herausheben muss, ahnt man, dass was nicht stimmt.

Wobei die Story selbst tatsächlich sogar ganz interessant ist. Es soll jetzt nicht das Gefühl aufkommen, Blade Runner wäre der schlimmste Scheiß des Jahres. In einem Jahr, in dem Moonlight den Oskar für Big Picture gewonnen hat, würde ich das NIEMALS behaupten.

Aber wenn man die Geschichte in einem solchen Schneckentempo erzählt, dann braucht es eben mehr als nur eine gute Story, damit man ihr mit Spannung folgen will. Und da kommen wir wieder zu den Bildern. Ja. Sie sind Bildgewaltig. Aber leider auch völlig Bedeutungslos. Die Welt, wie sie in Blade Runner 2048 gezeigt werden, suggerieren nichts. Sie zeigen so gut wie keine Menschen in ihren normalen Lebenssituationen. Sie zeigen überdimensionale Staudämme, Schiffsfriedhöfe, Müllkippen, radioaktiv verseuchte Casinos… und und und. Ein Bild schöner als das andere… doch leider haben die Bilder fast nie eine Bindung zur Handlung und verkommen damit zu einem dreistündigen Dia-Vortrag. Man kann sich die schönsten und spannendsten Bilder der Welt angucken, wenn ein Dia-Vortrag mehr als 15 Minuten dauert, dann ist die Spannung dahin. Dieser Diavortrag dauerte wie gesagt 164 Minuten. Und nach dem 3000sten bildgewaltigen, aber bedeutungslosen Bild tröstet das einen auch nicht mehr über den Rest hinweg. Genau genommen tut es das eben schon nach 10 Minuten nicht mehr. Oder 20. Oder 30… wie gesagt, das Zeitgefühl.

Und dann muss man auch noch ein paar erzählerische Inkonsequenzen und Plotlöcher erwähnen. Ridley Scott scheint es dahingehend wirklich einfach nicht mehr zu können. Am Anfang z.b. findet Ryan Powergossling in einem Staubfeld unter einem toten Baum eine gelbe Blume und pflückt sie, um dran zu schnuppern. Sie scheint irgendwie ein ganz eigenartiges Ding für ihn zu sein. Er packt sie in eine Tüte, steckt sie ein… und das war es dann. Statt immer wieder darauf zurück zu kommen, wie „tot“ diese Welt doch ist und damit das Leben dieser Welt irgendwie deutlicher zu machen, kommt dieser Strang einfach nicht mehr vor. Das ist zugegeben kein Plotloch, aber eine darstellerische Nachlässigkeit, für die ich wenig Verständnis habe. Ähnlich das Ende der digitalen Freundin von Ryan „La La Roboter“ Gossling. Weil er sich ja irgendwie in sein persönliches Hologramm verliebt hat, folgt er ihrem Rat und läd sie in ein Transportables Interface. Er will erst nicht, weil wenn dem Stab ja was zustößt, dann wäre sie quasi tot. „So wie eine echte Freundin“ meint sie noch. Natürlich zerstört die böse Luv den Stick und mit einem „ich liebe di….“ verabschiedet sich das bisher recht wichtige Hologramm aus dem Film. Eine extrem tragische Situation. Zu dumm, dass man Ryan „ich lerne Gefühle kennen“ Gossling die Tragik weder groß anmerkt, noch dass der Verlust auch nur den Hauch eines Einflusses auf sein Verhalten oder seine folgende Darstellung gezeigt hätte. Wofür war dieses Hologramm dann eigentlich gut?

Und die Plotlöcher? Ja gut, vielleicht droht man damit einen dritten Teil an. Aber ganz ehrlich. Kurz nachdem Ryan „Powermacker“ Gossling eben jenen Deckert aus dem ersten Teil kennen lernt (Harrison Ford) wird letzterer von der bösen Luv entführt. Im Auftrag des Replikatorenchefs Wallace. Die sind nämlich alle der Geschichte hinterher, dass ein Replikator und ein Mensch zusammen ein Kind gezeugt haben. (Genau genommen Rachel und Deckert aus dem ersten Film). Und weil die Replikatoren damit zu einer eigenen Rasse werden würde, wollen nun alle das Kind finden und umbringen, bevor das große Wellen schlägt.) Über Deckert hoffen die bösen Replikatorenerschaffer, an dieses Kind ran zu kommen. Und im Grunde nutzen sie Agent K nur aus, um an eben jenen ran zu kommen. Soweit die Story, die ich jetzt in hoffentlich weniger als 164 Buchstaben zusammen fassen konnte.

Zurück zu den Plotlöchern. In einem kurzen Kampf gelingt es den bösen also, Deckert zu entführen. Ryan Gossling lassen sie aber einfach schwer verletzt zurück. Der wird urplötzlich von einer Replikanten-Untergrundorganisation gerettet und von diesen überzeugt, dass er sich ihnen anschließen soll im Kampf gegen Wallace. Dazu solle er am besten Deckert umbringen, denn am wichtigsten wäre, dass die Identität von dessen Tochter geheim bliebe. Und Ryan „ich kann alles“ Gossling gelingt es dann, den gefangenentransport nebst Begleitschutz vom Himmel zu schießen und sogar die böse Liv zu besiegen. Doch statt Deckert zu töten, sagt er nur, dass er allen sagen würde, dass Deckert ertrunken wäre. Dann würden ihn alle für tot halten und niemand mehr ihn suchen. So könne er dann endlich auch mal seine Tochter besuchen. Denn inzwischen war ihm klar, dass er die Tochter bereits kennen gelernt hatte. Und was macht er? Führt den alten Mann tagsüber auf offenen Straßen zu seiner Tochter, die sogar für Wallace arbeitet, einer Welt, in der er über viele Meilen geortet werden kann und in der es überall Kameras gibt, legt sich dann vor dem Haus der Tochter auf die Treppe und stirbt an den Nachwehen des Kampfes mit Liv. JA! UNAUFFÄLLIGER GEHT’S WOHL KAUM! So wird Deckerts Tot sicher niemand in Frage stellen wollen. Da sieht ja auch niemand die Fußspuren im Schnee… und während der Film ENDLICH mit dem sterbenden Ryan Gossling endet, kommt einem noch die Frage auf, was jetzt eigentlich der total verrückte Wallace macht, denn schließlich hat man ja eigentlich nur seinen Sidekick getötet.

Teil 3 also? Na denn… gerne, aber ohne mich! Für mich gibt es nur auf Grund der guten Technik immerhin 2 von 6 Filmsternen. Aber für mich steht auch fest, dass ich bereits in einem Monat mich vermutlich nicht mehr dran erinnere, diesen Film überhaupt gesehen zu habe. Dazu war er zu bedeutungslos. Bedenkt man, dass das Original aus dem Jahr 1982 auch 35 Jahre danach noch in aller Munde ist, sagt das eine menge aus und ich kann eigentlich jeden nur raten, sich diese Enttäuschung zu ersparen. Ausser dem üblichen Hollywoodhype hat Blade Runner 2048 (runner… ha ha… Blade crowcher wohl eher) absolut nichts würdiges zu bieten.

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